Die DeFi-Plattform Aave hat letzte Woche einen dringenden Antrag eingereicht, um 30.765 eingefrorene ETH freizugeben. Diese wurden im Rahmen der Aufarbeitung des Kelp-DAO-Hacks vom 18. April blockiert. Die Mittel sollten ursprünglich an die Opfer des Angriffs zurückfließen, doch ein Gericht in New York hat nun eine Pfändung verhängt, die die Auszahlung blockiert.
Hintergrund: Der Hack und die Folgen
Am 18. April 2024 entwendete die nordkoreanische Hackergruppe Lazarus Group rund 116.500 rsETH aus dem LayerZero-Bridge von Kelp DAO. Der Wert der gestohlenen Kryptowährungen belief sich auf etwa 163.183 ETH. Um die Verluste zu begrenzen, aktivierte der Arbitrum Security Council am 21. April seine Notfallbefugnisse und transferierte 30.765 ETH in einen Wiederherstellungspool – ohne Zugriff auf die Schlüssel der Angreifer.
Laut Aave wurden damit bereits 52,9 % der ursprünglichen Lücke geschlossen. Weitere 300 Millionen US-Dollar an Verpflichtungen kamen von DeFi United, darunter eine Kreditlinie von Mantle mit bis zu 30.000 ETH. Aave selbst forderte 25.000 ETH aus dem eigenen Treasury an.
Der Streit um die eingefrorenen Gelder
Doch nun steht die Freigabe der Gelder infrage: Ein Gericht im Southern District of New York hat eine Pfändung der 30.765 ETH verhängt. Die Antragsteller argumentieren, dass die Gelder aufgrund der Verbindung zur Lazarus Group beschlagnahmt werden könnten. Aave widerspricht dieser Auffassung und betont, dass gestohlene Vermögenswerte nicht automatisch zu Eigentum der Diebe werden, nur weil sie kurzzeitig in deren Besitz waren.
In dem Notantrag fordert Aave eine beschleunigte Anhörung sowie die Aufhebung der Pfändung. Das Unternehmen warnt zudem, dass eine Nichtbefolgung des Gerichtsbeschlusses rechtliche Konsequenzen für die Verantwortlichen des Arbitrum DAO haben könnte. Die Zustellung des Antrags erfolgte über das Governance-Forum von Arbitrum sowie an rechtliche Vertreter, Mitglieder des Security Councils und große ARB-Inhaber.
Rechtliche Herausforderungen für DAOs
Aave führt in seinem Antrag zwei zentrale Argumente an:
- Gestohlene Vermögenswerte bleiben gestohlen: Selbst wenn ein Dieb die Kontrolle über die Mittel erlangt, werden sie nicht automatisch zu seinem rechtmäßigen Eigentum.
- Arbitrum DAO ist keine juristische Person: Aave bestreitet, dass das Arbitrum DAO als eigenständige Rechtsperson verklagt werden kann. Diese Frage ist jedoch rechtlich umstritten, da US-Gerichte DAOs in der Vergangenheit bereits als General Partnerships oder kollektiv verklagbare Einheiten behandelt haben.
Beispiele wie Lido DAO, bZx oder Compound zeigen, dass solche Konstellationen regelmäßig vor Gericht landen. Die rechtliche Reichweite hängt dabei stark von der Governance-Struktur und der dokumentierten Kontrolle ab – ein Punkt, der bei Arbitrum bereits vor dem aktuellen Streit diskutiert wurde.
Fazit: Ein Präzedenzfall für DeFi
Der Fall könnte weitreichende Folgen für die DeFi-Branche haben. Sollte das Gericht die Pfändung aufrechterhalten, könnte dies die Nutzung von Notfallmechanismen in Zukunft erschweren. Gleichzeitig unterstreicht der Streit die Notwendigkeit klarer rechtlicher Rahmenbedingungen für DAOs und ihre Governance-Strukturen.
„Die gestohlenen Mittel gehören den Opfern – nicht den Hackern und schon gar nicht einer Pfändung durch Dritte.“
– Aave in seinem Notantrag