Eine ausgediente Oberstufe einer SpaceX-Falcon-9-Rakete wird voraussichtlich im Sommer auf dem Mond einschlagen. Der unkontrollierte Absturz des Raumfahrtschrotts wirft Fragen zur Entsorgung von Raketenstufen auf und könnte ein neues Kraterloch auf der Mondoberfläche hinterlassen.
Wann und wo trifft die Rakete auf?
Der Astronom Bill Gray, Entwickler der Software Project Pluto zur Verfolgung erdnaher Objekte, prognostiziert den Einschlag für den 5. August um 2:44 Uhr EDT. Der Aufprall soll nahe dem Einstein-Krater auf der erdzugewandten Seite des Mondes erfolgen. Die Raketenstufe, etwa 14 Meter lang, stammt von einer Mission, die im Januar 2025 zwei Mondlander ins All brachte.
Seit ihrem Start bewegt sich die Oberstufe in einer erd- und mondähnlichen Umlaufbahn. Über 1.000 Beobachtungen in den letzten zwölf Monaten bestätigen ihre Flugbahn. Da die Bahnberechnungen durch die Gravitation von Erde, Mond, Sonne und Planeten hochpräzise vorhersehbar sind, gilt die Vorhersage als sehr verlässlich.
Wie beeinflusst Sonnenlicht die Flugbahn?
Obwohl die Bahn des Objekts grundsätzlich berechenbar ist, kann Sonnenstrahlung die Flugbahn leicht verändern. Gray erklärt:
"Wenn ein Objekt taumelt, fängt es mal mehr, mal weniger Sonnenlicht ein und reflektiert es teilweise seitlich. Dadurch entsteht ein leichter Schub, der das Objekt von der Sonne wegdrückt – allerdings mit minimalen seitlichen Abweichungen."
Diese Effekte sind zwar messbar, aber nicht stark genug, um die Vorhersage signifikant zu verfälschen. Die Genauigkeit liegt daher nicht im Bereich weniger Meter oder Sekunden, sondern bleibt dennoch hinreichend präzise für eine sichere Einschlagsprognose.
Historischer Präzedenzfall: Doppelkrater durch Raketenaufprall
Bereits 2022 stürzte ein ähnliches Objekt auf den Mond. Gray hatte damals korrekt vorhergesagt, dass es sich um eine ausgebrannte Raketenstufe handelte – zunächst vermutete man eine SpaceX-Falcon-9-Stufe, später stellte sich heraus, dass es sich um die Oberstufe der chinesischen Chang’e 5-T1-Mission handelte. Der Aufprall führte zu einem ungewöhnlichen Doppelkrater, dessen Entstehung bis heute Rätsel aufgibt.
Risiko für zukünftige Mondmissionen
Der unkontrollierte Einschlag unterstreicht die wachsenden Gefahren durch Weltraumschrott. Mit zunehmenden Mondmissionen – sowohl von staatlichen Raumfahrtagenturen als auch von privaten Unternehmen – steigt die Wahrscheinlichkeit von Kollisionen mit menschengemachtem Müll. Bill Gray warnt:
"Es besteht keine Gefahr für Menschen, aber der Vorfall zeigt, wie nachlässig mit ausgedienter Raumfahrttechnik umgegangen wird."
Die USA und China planen langfristig bemannte Mondmissionen. Eine dichter werdende Umlaufbahn um Erde und Mond erhöht das Risiko, dass weitere Trümmer unkontrolliert auf der Mondoberfläche einschlagen. Experten fordern daher strengere Richtlinien für die Entsorgung von Raketenstufen und anderen Raumfahrtabfällen.
Technische Details des Einschlags
- Geschwindigkeit: 1,51 Meilen pro Sekunde (ca. 2,43 km/s oder siebenfache Schallgeschwindigkeit auf der Erde)
- Masse der Oberstufe: Nicht offiziell bestätigt, Schätzungen gehen von mehreren Tonnen aus
- Einschlagsort: Nahe dem Einstein-Krater auf der Mondvorderseite
- Vorherige Beobachtungen: Über 1.000 Tracking-Datenpunkte in den letzten 12 Monaten