Colin Angle, der Gründer des Unternehmens hinter dem Roomba-Staubsauger, hat einen neuen Meilenstein gesetzt: Er entwickelt einen künstlichen Haustierroboter namens Familiar. Dieser vierbeinige Roboter soll eines Tages Hunde oder Katzen als Begleiter ersetzen – ohne deren Pflegeaufwand.
Auf der Veranstaltung The Wall Street Journal’s Future of Everything in New York präsentierte Angle einen Prototypen des Familiar. Das Design erinnert an einen kleinen Bulldoggen mit großen, ausdrucksstarken Augen und Ohren eines Bären. Der Roboter streckt sich wie zum Gruß und lädt zum Streicheln seines künstlichen Fells ein, das auf Berührung reagiert.
„Wir haben bewusst eine Form gewählt, die weder Mensch noch Hund noch Katze ähnelt“, erklärte Angle. „Damit vermeiden wir alle vorgefertigten Erwartungen.“ Angle leitet das Startup Familiar Machines Magic und war zuvor langjähriger CEO des Roomba-Herstellers iRobot.
KI-Technologie macht den Unterschied
Eine solche lebensechte Maschine wäre vor 30 Jahren, als Angle iRobot gründete, oder bei der Markteinführung des ersten Roomba im Jahr 2002, noch nicht möglich gewesen. Zwar gab es bereits Versuche, tierähnliche Roboter zu entwickeln – etwa Sonys Aibo, einen Roboterhund, der erstmals in den 1990ern und später 2018 neu aufgelegt wurde. Doch Angle ist überzeugt, dass der Familiar etwas völlig Neues schafft.
„Die Herausforderung besteht darin, etwas zu schaffen, das kein reines Spielzeug ist. Es geht darum, etwas, das man umarmen und streicheln möchte. Wenn es glücklich ist, macht es auch uns glücklich. Und es ist groß genug und mobil, um uns in die Küche zu folgen oder uns vom Sofa zu locken, um spazieren zu gehen.“
Der Roboter gibt tierähnliche Laute von sich, spricht aber nicht. Stattdessen verfügt er über „Ohren“ mit Audioeingang und eine KI, die menschliche Sprache verstehen und daraus lernen kann. Dank der Fortschritte in der generativen KI – inspiriert von Chatbots wie ChatGPT – kann der Familiar sein Verhalten schrittweise anpassen und sich an die Gewohnheiten seiner Besitzer anpassen.
„Vor sechs Monaten wäre das noch nicht möglich gewesen“, so Angle.
Vom Roomba zum Haustierroboter
Angle führte iRobot 25 Jahre lang als CEO und machte Roomba zum ersten weit verbreiteten Haushaltsroboter. Später geriet das Unternehmen durch starke Konkurrenz, insbesondere aus China, unter Druck. 2024 trat Angle als CEO und Vorstandsvorsitzender zurück, nachdem Amazon die geplante Übernahme des angeschlagenen Unternehmens in Massachusetts fallen ließ. Kurz darauf gründete er Familiar Machines, das zunächst im Verborgenen in Woburn, Massachusetts, arbeitete.
Die Markteinführung des Familiar steht noch aus, doch ein potenzielles Zielpublikum sind ältere Menschen, die aus gesundheitlichen oder praktischen Gründen keine echten Haustiere mehr halten können.
„Nicht weil Menschen plötzlich keine Lust mehr auf Haustiere haben, sondern weil die Sorge und Verantwortung für deren Pflege im Alter oft zu groß sind. Viele scheuen sich daher, sich ein neues Haustier anzuschaffen.“
Während viele Roboteringenieure von Science-Fiction inspiriert werden, hat die Idee eines „vertrauten“ Begleiters tiefe Wurzeln in Mythen und Folklore. Der Familiar könnte somit nicht nur technisch, sondern auch kulturell ein neues Kapitel aufschlagen.