Florida hat ein Gesetz, das es Gesetzgebern verbietet, Kongresswahlkreise gezielt so zu gestalten, dass ihre Partei davon profitiert. Doch Gouverneur Ron DeSantis hat nun einen dreistufigen Plan entwickelt, um dieses Verbot zu umgehen – und vor der Novemberwahl mehr Sitze für die Republikaner zu schaffen.
Die Abstimmung über DeSantis’ neuen Entwurf für die US-Haushaltswahlkreise findet bereits am kommenden Dienstag in einer Sondersitzung statt. Sollte der Plan scheitern, könnte der redistributive Vorteil für die Demokraten enden – ein Risiko, das DeSantis unter allen Umständen vermeiden will.
Warum die Neuverteilung entscheidend ist
Der Druck auf DeSantis ist nach der jüngsten Neuverteilung in Virginia gestiegen, wo Demokraten vier zusätzliche Sitze für ihre Partei sichern konnten. Sollte Florida folgen, würde dies die bundesweite Machtbalance im Kongress weiter zugunsten der Republikaner verschieben.
Experten und Juristen warnen jedoch vor einem möglichen Verstoß gegen die Verfassung Floridas, die ausdrücklich verbietet, Wahlkreise mit „Absicht zur Begünstigung oder Benachteiligung einer politischen Partei oder eines Amtsinhabers“ zu zeichnen. Der entscheidende Faktor wird dabei der Nachweis der „Absicht“ sein – ein Punkt, der in einem möglichen Gerichtsverfahren zentral sein wird.
DeSantis’ dreistufige Strategie zur Umgehung des Verbots
Um seine Pläne durchzusetzen, setzt DeSantis auf drei juristische und taktische Hebel:
- Die „Purcell-Prinzip“: Dieses Prinzip aus einem Urteil des US Supreme Court von 2006 begrenzt die Fähigkeit von Gerichten, Wahlgesetze kurz vor einer Wahl zu ändern, um Verwirrung bei Wählern zu vermeiden. Kritiker sehen darin jedoch eine Möglichkeit für Politiker, durch späte Änderungen das System zu manipulieren.
- Die Apex-Doktrin und Exekutivprivileg: Da DeSantis’ Mitarbeiter die neuen Wahlkreispläne erstellen, könnte sein Team argumentieren, dass das Exekutivprivileg sensible interne Dokumente schützt. Bei einem ähnlichen Fall 2022 wehrten sich hochrangige Mitarbeiter bereits erfolgreich gegen Vorladungen zur Aussage.
- Geheimhaltung: Die Pläne werden in absoluter Geheimhaltung erstellt, was es Gegnern erschwert, Beweise für eine gezielte Manipulation zu sammeln. Normalerweise werden die Pläne von Abgeordneten entworfen – ein Prozess, der mehr Transparenz und Angriffsfläche für Klagen bietet.
Bereits 2022 reichte DeSantis als erster Gouverneur Floridas in jüngerer Geschichte eigene Kongresswahlkreispläne ein, die ohne öffentliche Beteiligung entstanden. Die aktuellen Pläne wurden selbst den Abgeordneten erst kurz vor der Abstimmung zugänglich gemacht – ein Vorgehen, das rechtliche Auseinandersetzungen zusätzlich verzögern könnte.
Risiko: Spaltung demokratischer Wahlkreise
Ein zentrales Problem von DeSantis’ Strategie ist die Notwendigkeit, bestehende demokratische Wahlkreise aufzubrechen oder zu verwässern, um mehr Sitze für die Republikaner zu schaffen. Dies könnte zu massiven Protesten und Klagen führen, insbesondere wenn der Nachweis einer gezielten Benachteiligung gelingt.
Ob DeSantis’ Plan vor Gericht Bestand hat, bleibt abzuwarten. Doch die Eile, mit der er vorangetrieben wird, deutet darauf hin, dass es ihm vor allem um eines geht: die parteipolitische Macht in Washington vor der anstehenden Wahl zu sichern.