Die aktuellen Spritpreise in den USA haben eine neue Debatte über die Aussetzung der Bundesgassteuer ausgelöst. Vor allem Demokraten fordern diese Maßnahme, um die Verbraucher zu entlasten. Doch wie realistisch ist eine Umsetzung – und welche Folgen hätte sie?
Warum die Gassteuer-Pause immer wieder diskutiert wird
Die Idee, die 18,3 Cent pro Gallone Benzin und 24,3 Cent pro Gallone Diesel zu streichen, ist nicht neu. Sie taucht regelmäßig auf, wenn die Spritpreise steigen. Doch bisher hat der Kongress eine solche Aussetzung nie beschlossen. Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen könnten sich jedoch ändern, da die globalen Öllieferungen weiterhin gestört sind und die Preise weiter steigen.
Laut AAA lag der durchschnittliche Benzinpreis in den USA am Montag bei 4,46 Dollar pro Gallone – und weitere Erhöhungen sind zu erwarten. Eine vorübergehende Aussetzung der Gassteuer würde zwar einige Erleichterung für Verbraucher bringen, doch sie könnte die Preiserhöhungen seit Kriegsbeginn nicht annähernd ausgleichen.
Wie stark würde die Gassteuer-Pause die Preise senken?
Im April schätzte das Bipartisan Policy Center, dass die Aussetzung der Gassteuer die Einzelhandelspreise um 9 bis 14 Prozent pro Gallone senken würde. Allerdings würde nicht die gesamte Ersparnis an die Verbraucher weitergegeben, da auch Händler und Lieferanten einen Teil einbehalten würden. Zudem würde eine solche Steuerpause die Einnahmen des Bundes für den Straßenbau stark reduzieren.
Wer fordert die Gassteuer-Pause aktuell?
Mehrere hochrangige Demokraten setzen sich für die Maßnahme ein. Dazu gehören James Talarico, der demokratische Senatskandidat in Texas, der in einem eng umkämpften Rennen antritt, sowie Senator Mark Kelly aus Arizona, der als möglicher Präsidentschaftskandidat gilt. Kelly brachte bereits im März ein entsprechendes Gesetz ein.
Wie hoch sind die Chancen auf eine Umsetzung?
Das Energieberatungsunternehmen Rapidan Energy Group schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass der Kongress die Gassteuer aussetzt, auf 25 Prozent ein. Diese Einschätzung könnte steigen, je länger die Lieferstörungen andauern und je stärker die Preise weiter anziehen. Glenn Schwartz, Direktor für Energiepolitik bei Rapidan, erklärte gegenüber Medien, dass die Chancen mit der Dauer der Krise zunehmen würden.
Doch die aktuelle Regierung zeigt sich skeptisch. Ein Sprecher des Weißen Hauses betonte, dass eine Gassteuer-Pause derzeit nicht in Betracht gezogen werde:
"Die Regierung prüft zwar ständig Möglichkeiten, um kurzfristige Störungen auf den Energiemärkten abzumildern, eine Aussetzung der Gassteuer steht jedoch derzeit nicht zur Debatte."
Welche Folgen hätte eine Gassteuer-Pause?
Die Bundesgassteuer finanziert den Highway Trust Fund, der für den Bau und die Instandhaltung der US-Straßeninfrastruktur zuständig ist. Eine Aussetzung würde die Einnahmen dieses Fonds stark reduzieren. Das Bipartisan Policy Center prognostiziert, dass eine fünfmonatige Aussetzung der Gas- und Dieselsteuer die Einnahmen um 17 Milliarden Dollar oder 46 Prozent der für das Haushaltsjahr 2026 geplanten Einnahmen aus diesen Steuern verringern würde. Dadurch würde das Haushaltsdefizit um 12 Milliarden Dollar steigen.
Zudem verschärft sich das Problem durch die zunehmende Verbreitung von Elektroautos und sparsameren Verbrennern, die weniger Steuern zahlen. Einige Bundesstaaten wie Georgia und Indiana haben bereits vorübergehend staatliche Spritsteuern ausgesetzt, doch auf Bundesebene bleibt die Debatte umstritten.
Fazit: Eine kurzfristige Lösung mit langfristigen Risiken
Eine vorübergehende Aussetzung der Gassteuer könnte Verbrauchern kurzfristig helfen, doch die langfristigen Folgen für die Infrastruktur und den Haushalt wären erheblich. Ob der Kongress die Maßnahme beschließt, hängt davon ab, wie lange die aktuellen Lieferengpässe und Preisschocks anhalten.