Hirnfressende Amöben in US-Nationalparks nachgewiesen
Eine aktuelle Studie des U.S. Geological Survey und weiterer Forschungseinrichtungen hat in zwei beliebten Nationalparks der USA gefährliche Naegleria fowleri-Amöben entdeckt. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin ES&T Water veröffentlicht. Doch was bedeutet das für Besucher – und wie hoch ist das Risiko?
Wo wurden die Amöben gefunden?
Forscher untersuchten über acht Jahre (2016–2024) Wasserproben aus fünf US-Nationalparks und Thermalquellen:
- Yellowstone Nationalpark
- Grand-Teton-Nationalpark
- Lake Mead National Recreation Area
- Olympic Nationalpark
- Newberry National Volcanic Monument
In 34 % der Proben – darunter Thermalquellen und erwärmte Gewässer – wurde die als „hirnfressende Amöbe“ bekannte Naegleria fowleri nachgewiesen. Betroffen sind vor allem Yellowstone, Lake Mead und Grand Teton. In Olympic Nationalpark und Newberry National Volcanic Monument wurden keine Spuren gefunden.
Bisher gibt es keine gemeldeten Infektionen oder Todesfälle in diesen Gebieten. Dennoch warnen Experten vor möglichen Risiken.
Was ist Naegleria fowleri?
Naegleria fowleri ist eine frei lebende Amöbe, die in warmen Süßwasserseen, Flüssen und Thermalquellen gedeiht. Sie wird als „hirnfressende Amöbe“ bezeichnet, weil sie bei Infektionen das Gehirngewebe zerstört. Laut CDC (Centers for Disease Control and Prevention) sind Infektionen zwar selten, aber fast immer tödlich (Sterberate: 98 %).
Gelangt Wasser mit der Amöbe durch die Nase ins Gehirn, kann eine Infektion namens primäre Amöben-Meningoenzephalitis (PAM) ausgelöst werden. In den USA erkranken jährlich weniger als zehn Menschen an PAM – doch fast alle Fälle enden tödlich. Von 167 gemeldeten PAM-Fällen seit 1962 überlebten nur vier Personen.
Wie infiziert man sich?
Eine Infektion mit Naegleria fowleri erfolgt meist beim Schwimmen oder Tauchen in warmen Süßgewässern – besonders nach längeren Hitzeperioden, wenn das Wasser wärmer und der Wasserstand niedriger ist. Die CDC betont: Eine Ansteckung ist nicht durch Trinken des Wassers möglich. Auch von Mensch zu Mensch ist die Übertragung ausgeschlossen.
Wie kann man sich schützen?
Die CDC gibt folgende Empfehlungen, um das Infektionsrisiko zu minimieren:
- Nase zuhalten oder Nasenclip tragen, wenn Sie in Süßwasser springen oder tauchen.
- Kopf über Wasser halten in Thermalquellen.
- Kein Graben in flachem Wasser, da hier die Amöben häufiger vorkommen.
Symptome einer Infektion erkennen
Eine PAM-Infektion verläuft schnell und beginnt mit unspezifischen Symptomen wie:
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Übelkeit und Erbrechen
- Nackensteifigkeit
- Verwirrtheit und Desorientierung
- Gleichgewichtsstörungen
- Halluzinationen
Die meisten Betroffenen sterben innerhalb von 18 Tagen nach den ersten Symptomen. Viele fallen bereits nach fünf Tagen ins Koma und versterben.
Wichtig: Bei Verdacht auf eine Infektion mit Naegleria fowleri muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Eine frühzeitige Diagnose kann lebensrettend sein – auch wenn die Überlebenschancen gering sind.
Fazit
Obwohl die Entdeckung der Amöben in US-Nationalparks beunruhigend ist, bleibt das Risiko einer Infektion für Besucher gering. Dennoch sollten Wassersportler in warmen Gewässern Vorsichtsmaßnahmen treffen. Die CDC empfiehlt, besonders in Thermalquellen und nach Hitzeperioden auf Hygiene zu achten.