Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat auf ihrer jüngsten Sitzung in London einen wichtigen Schritt zur Eindämmung der globalen Schifffahrtsemissionen gemacht. Nach monatelangen Verhandlungen und politischen Spannungen ist ein Rahmenwerk für Netto-Null-Emissionen wieder auf Kurs – trotz Widerstands durch die USA und einige fossile Brennstoffproduzenten.

Ursprünglich sollte das Rahmenwerk bereits Ende 2025 verabschiedet werden. Doch die Vereinigten Staaten hatten unter der Führung der Trump-Administration versucht, das Abkommen durch „erpresserische Taktiken“ zu blockieren. Unterstützt wurden sie dabei von Ländern wie Russland und einigen Industrieverbänden, die eine Streichung der geplanten CO₂-Bepreisung forderten oder das gesamte Rahmenwerk ablehnten.

Kompromiss statt Stillstand: Die neuen Vorschläge

Auf der 84. Sitzung des Ausschusses für den Schutz der Meeresumwelt (MEPC84) in London präsentierten Liberia und Panama – zwei der größten Flaggenstaaten für die globale Handelsflotte – gemeinsam mit Argentinien einen Gegenentwurf. Dieser sah vor, die ursprünglich geplante CO₂-Bepreisung aus dem Rahmenwerk zu streichen. Dennoch einigten sich die Delegationen darauf, den ursprünglichen Kompromissvorschlag beizubehalten und weiterzuentwickeln.

Das Rahmenwerk sieht vor, die Emissionsintensität der Schifffahrt schrittweise zu reduzieren: Bis 2028 soll eine Senkung um 4% erreicht werden, bis 2035 um 30%. Ein ambitionierteres Ziel sieht eine Reduktion von 17% bis 2028 und 43% bis 2035 vor. Schiffe, die ihre Emissionen nicht einhalten, müssten Ausgleichszahlungen in Höhe von 380 US-Dollar pro „Tier-2-Einheit“ leisten.

Wer sind die Hauptakteure?

Befürworter des Rahmenwerks: Die Europäische Union, Brasilien und mehrere pazifische Inselstaaten setzen sich für eine strenge Regulierung ein. Sie argumentieren, dass das Rahmenwerk bereits einen ausgewogenen Kompromiss darstelle, der wirtschaftliche und ökologische Interessen vereine.

Gegner des Rahmenwerks: Neben den USA zählen auch große fossile Brennstoffproduzenten wie Russland und Saudi-Arabien sowie Teile der Schifffahrtsindustrie zu den Kritikern. Sie fürchten wirtschaftliche Nachteile und setzen stattdessen auf freiwillige Maßnahmen oder technologische Lösungen.

Was kommt als Nächstes?

Die IMO hat beschlossen, das Rahmenwerk weiter zu verfeinern und eine finale Abstimmung auf der nächsten Sitzung im Dezember 2026 anzustreben. Bis dahin sollen weitere Verhandlungen stattfinden, um die letzten offenen Punkte zu klären. Sollte das Rahmenwerk verabschiedet werden, wäre dies ein historischer Schritt für die globale Schifffahrtsbranche – und ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Pariser Klimaziele.

„Das Rahmenwerk ist ein entscheidender Meilenstein für die Dekarbonisierung der Schifffahrt. Jetzt kommt es darauf an, dass alle Beteiligten konstruktiv zusammenarbeiten.“ – IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez