Das „Flying Caduceus“ war ein Pionierprojekt: der erste jetgetriebene Rennwagen, der speziell für die Salzseen von Bonneville konzipiert wurde. Sein Ziel war es, den Weltrekord für Landgeschwindigkeiten zu brechen – und das mit einer geplanten Höchstgeschwindigkeit von über 500 Meilen pro Stunde (805 km/h).

Hinter dem Fahrzeug stand ein ungewöhnliches Team: der Los-Angeleser Arzt Dr. Nathan Ostich und eine Gruppe kalifornischer Hot-Rod-Enthusiasten. Der Grundstein für das Projekt wurde bereits 1957 bei einem Steak-Dinner gelegt. Nach zwei Jahren intensiver Arbeit war der Wagen 1960 fertig – doch die größten Herausforderungen lagen noch vor ihm.

Die größten Hürden: Reifen und Antrieb

Ostich erkannte schnell, dass die Reifen das größte Problem darstellen würden. Seine Berechnungen zeigten: Bei 500 mph müsste ein 20-Zoll-Reifen mit 8.400 Umdrehungen pro Minute rotieren – und wäre dabei einer Zentrifugalkraft von 20.000 G ausgesetzt. Kein herkömmlicher Reifen hätte dieser Belastung standgehalten. Also wandte sich Ostich an Firestone, die schließlich spezielle 48-Zoll-Reifen entwickelten.

Als Antrieb diente ein General Electric J47-19-Turbojet aus einem Convair-Bomber. Mit 5.200 Pfund Schub (entspricht etwa 7.000 PS) sollte der Wagen die avisierte Geschwindigkeit erreichen. Die schmale Karosserie aus Stahlrohrrahmen und Aluminium war nur vier Fuß (1,22 Meter) breit – der Fahrer saß in einem engen Cockpit.

Für Bremsen und Fahrwerk griff das Team auf Komponenten eines Chevrolet aus dem Jahr 1960 zurück: 14-Zoll-Scheibenbremsen mit Halibrand-Bremszangen und 34-Zoll-Aluminiumräder.

Erste Tests und Rekordversuche

1960 war der „Flying Caduceus“ bereit für seine ersten Testfahrten in Bonneville. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd: Der Wagen zeigte technische Mängel, die behoben werden mussten. Das Team kehrte 1962 und 1963 zurück und steigerte die Geschwindigkeit schrittweise. Die beste gemessene Zeit betrug 359,7 mph (578,9 km/h) – ein beachtlicher Wert, auch wenn er nicht für einen Weltrekord reichte.

Doch das Fahrzeug ebnete den Weg für spätere Rekordanwärter wie Craig Breedloves „Spirit of America“ und das supersonische Thrust SSC, das 1997 als erstes Landfahrzeug die Schallmauer durchbrach.

Ein Stück Automobilgeschichte kommt unter den Hammer

Am 13. Juni 2024 wird der „Flying Caduceus“ bei der Auktion des National Automobile Museum in Reno, Nevada (veranstaltet von Bonhams) ohne Mindestpreis versteigert. Ein einzigartiges Stück Technikgeschichte, das die Grenzen des Möglichen auslotete.

Quelle: Hagerty