Eine aktuelle Studie von Gallup offenbart einen beispiellosen Pessimismus unter jungen Amerikanern: Sie sehen ihre Jobchancen deutlich schlechter als ältere Generationen – und das stärker als in jedem anderen der 141 untersuchten Länder. Während weltweit meist ältere Menschen pessimistischer sind, kehrt sich dieser Trend in den USA um.

Die Zahlen im Detail

Nur 43 % der 15- bis 34-Jährigen in den USA glauben, dass es 2025 eine gute Zeit ist, lokal einen Job zu finden. Bei den über 55-Jährigen sind es dagegen 64 % – eine Differenz von 21 Prozentpunkten. Zum Vergleich: In China liegt der Gap bei 12 Punkten, in Serbien, den VAE, Hongkong und Norwegen bei ähnlichen Werten. Der globale Durchschnitt zeigt einen 10-Punkte-Unterschied – allerdings mit umgekehrtem Vorzeichen: Hier sind es die Älteren, die pessimistischer sind.

Historischer Vergleich: Junge Amerikaner waren früher optimistischer

Früher in den 2000er-Jahren bewerteten junge Amerikaner ihre Jobaussichten zwar ebenfalls schlechter als ältere, waren aber im internationalen Vergleich noch optimistischer. 2025 rangieren sie mit ihrem Pessimismus auf Platz 87 von 141 Ländern. Ein Beispiel: In Südkorea glaubten 2024 nur 28 % der jungen Erwachsenen an gute Jobchancen – ein Wert, der fast identisch mit dem der über 55-Jährigen (25 %) war.

Wer ist am stärksten betroffen?

Besonders stark ist der Pessimismus bei jungen Amerikanern mit höherer Bildung, die noch keinen Vollzeitjob haben. Benedict Vigers, Senior News Writer bei Gallup, führt dies auf den Einfluss von KI zurück:

"Es ist wahrscheinlich, dass ein beträchtlicher Teil dieses Rückgangs auf die Auswirkungen von KI zurückzuführen ist."

Experten erklären die Gründe

Sam Hiner, Mitgründer und Geschäftsführer der Young People's Alliance, sieht zwei Hauptgründe für die düstere Stimmung:

"KI vernichtet Einstiegsjobs, und Unternehmen setzen zunehmend auf soziale Kontakte statt auf Qualifikationen."
Die Folge: Die Karriereleiter wird für junge Menschen bereits am Anfang abgeschnitten.

Ein konkretes Beispiel: Die Suche nach einem Sommerjob

Amelia Sexton, 19-jährige Studentin an der University of North Carolina at Chapel Hill, schildert ihre Erfahrungen: Sie bewarb sich auf 30 Sommerjobs – und erhielt auf 25 keine Antwort.

"Wenn man mit Gleichaltrigen spricht, merkt man, dass wir alle um dieselben wenigen Chancen konkurrieren."

Viele in ihrem Alter sehen, wie sich der Arbeitsmarkt durch KI verändert, bevor sie überhaupt einsteigen.

"Ich erlebe in Echtzeit, wie Menschen ihre Pläne ändern – nicht weil sie es wollen, sondern weil sie müssen, um überhaupt einen Job zu bekommen."

Fazit: Junge Amerikaner sind so entmutigt wie nie

Junge Amerikaner waren zwar schon früher pessimistisch, doch heute sind sie die unzufriedensten weltweit – während die ältere Generation deutlich optimistischer bleibt. Die Gründe: KI ersetzt Einstiegspositionen, und der Arbeitsmarkt verlangt zunehmend informelle Netzwerke statt formaler Qualifikationen.

Quelle: Axios