Maine setzt auf Pause für Rechenzentren
Maine ist der erste US-Bundesstaat, der ein Moratorium für die Genehmigung großer Rechenzentren beschlossen hat. Das Parlament verabschiedete diese Woche das Gesetz LD 307, das staatliche und lokale Behörden daran hindert, Rechenzentren mit einem Strombedarf von mindestens 20 Megawatt bis mindestens Oktober 2027 zu genehmigen. Gouverneurin Janet Mills muss das Gesetz noch unterzeichnen, eine Stellungnahme dazu steht noch aus.
Wachsende Kritik an Rechenzentren
Maine ist eines von rund einem Dutzend Bundesstaaten, die in diesem Jahr Gesetzesinitiativen zur Einschränkung oder zum Verbot von Rechenzentren vorantreiben. Der Grund: steigende Bedenken hinsichtlich des enormen Energie- und Wasserverbrauchs sowie der Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften. Gegner der Zentren sehen sie als störende Bebauung, während die Öffentlichkeit zunehmend besorgt ist über mögliche Jobverluste durch die KI-getriebene Expansion der Dateninfrastruktur.
Strombedarf auf Rekordniveau
US-Rechenzentren hatten 2023 einen Strombedarf von über 50 Gigawatt – etwa das Doppelte der Spitzenlast des gesamten New-England-Stromnetzes, das sechs Bundesstaaten umfasst. Dieser Bedarf könnte sich weiter erhöhen, da einige Mega-Rechenzentren noch in der Planungsphase sind. Unklar bleibt, wie das Stromnetz den zusätzlichen Bedarf decken soll und wie Privathaushalte vor steigenden Strompreisen geschützt werden können.
Politische Debatte in Maine
Die Verabschiedung des Gesetzes zeigt die parteipolitischen Spannungen: Im Repräsentantenhaus stimmten 79 Abgeordnete dafür, 62 dagegen. Im Senat fiel die Entscheidung mit 21 zu 13 Stimmen. Die demokratische Mehrheit argumentiert, das Gesetz gebe Zeit, um sinnvolle Regulierungen zu entwickeln. Die republikanischen Gegner warnen vor Investitionshemmnissen und wirtschaftlichen Nachteilen.
Das Gesetz sieht die Einrichtung eines Sonderausschusses vor, der Bedenken prüfen und dem Parlament Empfehlungen für neue Richtlinien vorlegen soll. Maine hat bisher nur etwa zehn Rechenzentren, darunter keine der umstrittenen „Hyperscaler“, die in Staaten wie Virginia oder Texas für Proteste sorgen.
„Wir sollten unsere Regularien an die aktuelle Situation anpassen, bevor es zu spät ist.“
Melanie Sachs, demokratische Abgeordnete und Initiatorin des Gesetzes
Gegner warnen vor Milliardenverlusten
Republikanische Senatoren wie Matt Harrington kritisieren, das Gesetz blockiere oder verhindere wichtige Projekte – darunter geplante Rechenzentren in Sanford und Jay. „Hier geht es um Milliardeninvestitionen für Maine“, sagte er während der Debatte. Gouverneurin Mills hatte zuvor angedeutet, sie wolle eine Ausnahme für bestimmte Projekte in das Gesetz aufnehmen.
Werden andere Staaten folgen?
Analysten sehen vor allem in Minnesota und Illinois Potenzial für ähnliche Gesetze, auch wenn in Illinois noch kein konkreter Entwurf vorliegt. Die Debatte in Maine könnte als Vorbild dienen, um die Risiken der ungebremsten Expansion von Rechenzentren zu bewerten.
Hintergrund: Warum Rechenzentren umstritten sind
- Energiehunger: Rechenzentren verbrauchen enorme Mengen Strom, was lokale Netze belastet und zu höheren Preisen für Privathaushalte führen kann.
- Wasserverbrauch: Große Rechenzentren benötigen große Mengen an Kühlwasser, was in trockenen Regionen zu Konflikten führen kann.
- Wirtschaftliche Effekte: Während Investitionen Arbeitsplätze schaffen, fürchten Kritiker langfristige Abhängigkeiten und Monopolisierung durch Tech-Konzerne.
- Umweltbelastung: Der Betrieb von Servern und Kühlsystemen verursacht CO₂-Emissionen, was im Widerspruch zu Klimazielen steht.