Wer regelmäßig Nachrichtenquellen mit stark konservativer Ausrichtung wie Breitbart, Newsmax oder Zero Hedge folgt, zeigt eine deutlich höhere Impfzögerlichkeit. Das geht aus einer aktuellen Studie der Johns Hopkins University hervor. Die Forscher befragten 2025 fast 3.000 Erwachsene in den USA zu ihren Mediengewohnheiten und Einstellungen zur MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln).

Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen der genutzten Nachrichtenquelle und der Impfbereitschaft. Demnach waren Personen, die sich regelmäßig aus „neurechten“ Medien informierten, mehr als doppelt so häufig impfskeptisch wie solche, die solche Quellen meiden. Besonders auffällig: Impfzögerliche griffen häufiger auf nicht-wissenschaftliche Gesundheitsquellen zurück, darunter alternative Gesundheitsanbieter, Social-Media-Influencer oder Newsletter wie Children’s Health Defense.

„Unsere Arbeit zeigt, dass die Art und Weise, wie sich Menschen online informieren, ihre Einstellung zu Impfungen stark prägt.“
— Lauren Gardner, Direktorin des Center for Systems Science and Engineering an der Johns Hopkins University

Die Studie wurde im Fachjournal Vaccine veröffentlicht. Hintergrund ist die dramatische Zunahme von Masernfällen in den USA: 2025 wurden in 43 Bundesstaaten über 2.000 Fälle gemeldet – die höchste Zahl seit der offiziellen Ausrottung der Krankheit im Jahr 2000. Fast alle Betroffenen waren nicht geimpft. Die Ausbrüche folgen einem anhaltenden Rückgang der Impfquoten bei Kindern, darunter die MMR-Impfung, seit der COVID-19-Pandemie.

Die Impfquote bei Schulkindern liegt aktuell bei nur 93 Prozent – deutlich unter der für Herdenimmunität erforderlichen Schwelle von 95 Prozent. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Erwachsene, die sich über das Internet oder Social Media über Impfungen informieren, eher dazu neigen, ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Doch wie sich allgemeine Nachrichtenpräferenzen auf die Impfeinstellung auswirken, war bisher weniger erforscht.

Das Team um Lauren Gardner befragte im August 2025 insgesamt 2.970 Erwachsene. Während 83 Prozent der Befragten die Vorteile der MMR-Impfung höher einschätzten als die Risiken, zeigte etwa jeder sechste Teilnehmer Impfzögerlichkeit. Diese Gruppe setzte sich vor allem aus jüngeren Erwachsenen unter 44 Jahren (62 Prozent), Eltern, ethnischen Minderheiten, Geringverdienern und Personen mit niedrigerem Bildungsniveau zusammen. Politisch tendierten sie eher zu konservativen Positionen: 39 Prozent identifizierten sich als Republikaner, 33 Prozent als Unabhängige. Zudem bekannten sich 43 Prozent der Impfzögerlichen zur Bewegung „Make America Healthy Again“ (MAHA) – im Vergleich zu 27 Prozent der Nicht-Zögerlichen.

Interessanterweise gaben 87 Prozent aller Befragten an, regelmäßig Nachrichten zu verfolgen – ohne nennenswerte Unterschiede zwischen Impfzögerlichen und -befürwortern. Fast alle nutzten das Internet täglich und konsumierten eine Vielzahl von Nachrichtenquellen. Der größte Unterschied lag jedoch in der Art der bevorzugten Medien: Während Impfbefürworter eher auf etablierte Nachrichtenportale setzten, griffen Impfzögerliche häufiger auf alternative oder politisch geprägte Quellen zurück.