Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Mittwoch eine zentrale Regelung des Voting Rights Act eingeschränkt und damit eine Niederlage für Bürgerrechtsgruppen besiegelt. Die Entscheidung könnte die Wahlsysteme im gesamten Süden der USA neu ordnen und die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus um bis zu 19 Sitze gegenüber den Karten von 2024 stärken.
In der Mehrheitsmeinung schrieb Richter Samuel Alito, dass Louisiana keine zusätzliche mehrheitlich von Minderheiten bewohnte Kongresswahlkreis schaffen müsse. Die Verwendung von Rasse als Kriterium bei der Erstellung der Wahlkreisgrenzen in Louisiana sei daher verfassungswidrig und entspreche einer rassistischen Manipulation der Wahlkreise.
Hintergrund: Das Gericht hat damit die Reichweite von Section 2 des Voting Rights Act deutlich eingeschränkt. Diese Regelung verbot rassistisch motivierte Wahlkreisgestaltungen und spielte eine Schlüsselrolle bei der Abschaffung der Jim-Crow-Gesetze sowie der Ausweitung des Wahlrechts für Minderheiten – insbesondere für Afroamerikaner – im Süden der USA.
Kritik und Kontroverse: Gegner des Gesetzes argumentieren, dass die 14. Zusatzartikel der Verfassung die Berücksichtigung von Rasse bei der Neuziehung von Wahlkreisen verbietet. Die Anwendung von Section 2 zur Korrektur rassistischer Wahlkreisgestaltungen sei demnach selbst eine Form rassistischer Manipulation.
Fall Louisiana: Seit 2020 tobt in Louisiana ein erbitterter Rechtsstreit um die Kongresswahlkreise. Afroamerikaner, die etwa 30 % der Bevölkerung ausmachen, klagten erfolgreich auf die Schaffung eines zweiten mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Wahlkreises. Die Gesetzgeber passten die Karten 2022 entsprechend an, doch eine Gruppe nicht-schwarzer Wähler klagte gegen diese Neugestaltung. Ein Bundesgericht gab ihnen 2024 Recht und ebnete den Weg für die aktuelle Entscheidung des Supreme Court.
Politische Implikationen: Floridas Gouverneur Ron DeSantis setzte große Hoffnungen in das Urteil, da er davon ausging, dass der Supreme Court das Wahlrecht vor seiner Entscheidung bereits stark schwächen würde. Dies sollte seine eigenen Pläne zur Neugestaltung der Wahlkreise in Florida unterstützen.
"Der Voting Rights Act war die Leitplanke", sagte April Albright von der Bürgerrechtsorganisation Black Voters Matter im Dezember gegenüber Axios. "Sein Verschwinden bedeutet, dass nichts mehr übrig bleibt, denn die meisten dieser roten Bundesstaaten haben auch in ihren eigenen Verfassungen keine robusten Wahlschutzregelungen."
Ausblick: Wie ein Fall des Supreme Court die Kongressvertretung im Süden verändern könnte