Pinterest hat eine ungewöhnliche Werbekampagne gestartet, die mit einem klaren Appell gegen das endlose Scrollen im Internet wirbt. In dem neuen Spot sehen wir zwei junge Frauen, die spätabends in ihrem Zimmer sitzen und durch Reels und andere Social-Media-Inhalte scrollen. Eine von ihnen wirkt wie in Trance, während die andere plötzlich eine Idee hat und Pinterest öffnet. Plötzlich ertönt ein beschwingter Beat, die beiden springen auf und bereiten sich auf einen gemeinsamen Abend vor – mit dem Slogan: „Das Beste, was du online finden kannst, ist ein Grund, offline zu gehen.“

Pinterest setzt auf bewusste Nutzung statt Aufmerksamkeitssucht

Während andere Social-Media-Plattformen ihre Geschäftsmodelle auf maximale Nutzungsdauer und Aufmerksamkeit aufbauen, geht Pinterest einen anderen Weg. Die Kampagne zielt darauf ab, Pinterest als Ort der Inspiration und Selbstfindung zu positionieren – nicht als Plattform, die Nutzer:innen in einen endlosen Konsumrausch zieht.

Claudine Cheever, Chief Marketing Officer bei Pinterest, erklärt die Strategie:

„Wenn man Gen Z fragt, warum sie Pinterest nutzen, sagen sie: Hier kann ich herausfinden, wer ich sein möchte – nicht, wer das Internet mir vorgibt zu sein.“
Diese Haltung spreche nicht nur junge Nutzer:innen an, sondern eine breitere Zielgruppe. Die Kampagne soll klarstellen, dass das Internet eine Hilfestellung sein soll – für sinnvolle Zeitnutzung statt bloßer Zeitverschwendung.

Qualität statt Quantität: Pinterest als Inspirationsquelle für Nutzer und Werbetreibende

Hintergrund der Kampagne ist auch das wirtschaftliche Interesse von Pinterest. Cheever betont, dass 96 % der Suchanfragen auf Pinterest unmarkiert sind – Nutzer:innen suchen also nach Inspiration, nicht nach bestimmten Marken. Gleichzeitig bietet die Plattform Werbetreibenden eine einzigartige Möglichkeit, gezielt inspirierende Inhalte bereitzustellen.

„Nutzer:innen suchen hier aktiv nach Marken, statt sie einfach zu übergehen“, so Cheever. „Das macht Pinterest zu einem idealen Ort für Werbung.“ Die Strategie scheint aufzugehen: Pinterest vermeldete kürzlich, dass das erste Quartal 2026 erstmals über eine Milliarde US-Dollar Umsatz einbrachte – ein Plus von 18 % im Vergleich zum Vorjahr. Auch die monatlich aktiven Nutzer:innen stiegen um 11 % auf 631 Millionen.

Pinterest bei Coachella: Offline-Erlebnis als Trend

Als beim Coachella-Festival im April viele Besucher:innen über die Dominanz von Influencern und ständiges Handyhalten klagten, setzte Pinterest ein Zeichen: Die Plattform förderte bewusst ein smartphonefreies Erlebnis. Als Gesicht dieser Aktion fungierte das Model und Creator Quenlin Blackwell, die das bewusste Abschalten bei einem der größten Musikfestivals der Welt fast schon positiv darstellte.

Auch wenn die Kampagne für ältere Generationen vielleicht etwas kitschig wirkt, unterstreicht sie Pinterests konsequente Abgrenzung von anderen Social-Media-Anbietern. Bereits 2019 erklärte die damalige CMO Andrea Mallard gegenüber Adweek, dass Pinterest sich als positiver Gegenentwurf zu toxischen Social-Media-Plattformen positioniere.

„Wir glauben, dass Pinterest einer der wenigen wirklich positiven Ecken des Internets ist. Unsere Aufgabe ist es, einen Raum zu schaffen, der ausschließlich von Inspiration geprägt ist.“

Fazit: Pinterest als Gegenbewegung zur Scroll-Kultur

Mit seiner neuen Kampagne und der klaren Botschaft gegen endloses Scrollen positioniert sich Pinterest als Alternative zu den etablierten Social-Media-Plattformen. Die Strategie scheint erfolgreich zu sein – sowohl bei Nutzer:innen als auch bei Werbetreibenden. Während andere Plattformen um die Aufmerksamkeit ihrer User buhlen, setzt Pinterest auf bewusste Nutzung und Inspiration. Ob dies langfristig ausreicht, um gegen die Dominanz von TikTok, Instagram und Co. zu bestehen, bleibt abzuwarten. Doch die aktuellen Zahlen zeigen: Die Rechnung könnte aufgehen.