Schlaf-Apps: Hilfreich oder schädlich bei Insomnie?
Eine aktuelle Studie aus Norwegen zeigt, dass der Einsatz von Schlaf-Tracking-Apps bei Menschen mit Schlafstörungen negative Effekte haben kann. Die Forscher betonen zudem, dass solche Apps oft kein realistisches Bild des Schlafs liefern.
Orthosomnie: Wenn Daten den Schlaf stören
Das Phänomen Orthosomnie beschreibt eine zunehmende Angst vor Schlafparametern, die zu noch schlechterem Schlaf führt. „In der Schlafmedizin gibt es das Konzept der Orthosomnie: Menschen werden durch Schlafmetriken ängstlich und schlafen dadurch noch schlechter“, erklärt Alex Dimitriu, Facharzt für Psychiatrie und Schlafmedizin sowie Gründer von Menlo Park Psychiatry Sleep Medicine. Dimitriu war nicht an der Studie beteiligt.
Studie: Schlaf-Apps erhöhen Stress bei Betroffenen
Die im Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie analysierte Daten von 1.002 Erwachsenen in Norwegen. Die Teilnehmer wurden zu ihrer Nutzung von Schlaf-Apps, ihrem Schlafverhalten und den Auswirkungen befragt. Rund 46 % gaben an, bereits eine Schlaf-App genutzt zu haben.
Wer nutzt Schlaf-Apps – und wer leidet darunter?
Die Umfrage ergab, dass vor allem Frauen und Menschen unter 50 Jahren solche Apps verwenden. Während Männer und Frauen ähnlich auf die Apps reagierten, berichteten jüngere Nutzer häufiger von positiven und negativen Effekten:
- 15 % der Teilnehmer fühlten sich durch die Apps in ihrem Schlaf verbessert.
- 2,3 % berichteten von einer Verschlechterung.
- 48 % lernten durch die Apps mehr über ihren Schlaf.
- 17 % fühlten sich durch die Daten stärker um ihren Schlaf besorgt.
„Wir stellten fest, dass jüngere Erwachsene stärker auf das Feedback der Schlaf-Apps reagierten. Sie berichteten sowohl von mehr wahrgenommenen Vorteilen als auch von mehr Sorgen und Stress.“
Håkon Lundekvam Berge, Erstautor der Studie, Universität Bergen
Warum Schlaf-Tracking problematisch sein kann
Schlaf-Apps erfassen meist ähnliche Parameter:
- Einschlafzeit
- Schlafdauer
- Erholungswert des Schlafs
Doch die Technologie ist noch relativ neu. „Die rasante Entwicklung von Schlaf-Apps erfordert, dass die Wissenschaft mit den technologischen Fortschritten Schritt hält“, so Lundekvam. Die Studie zeigt, dass besonders Menschen mit Insomnie-Symptomen stärker unter den negativen Effekten leiden.
Fazit: Nutzen oder Risiko?
Während Schlaf-Apps für manche Nutzer hilfreich sein können, bergen sie für Menschen mit Schlafstörungen potenzielle Risiken. Experten raten zur Vorsicht und empfehlen, die Nutzung kritisch zu hinterfragen – insbesondere bei bestehender Insomnie.