Kurz vor dem Muttertag schlagen drei US-Senatoren Alarm: Sie kritisieren die „empörende und grausame Behandlung“ von schwangeren und stillenden Frauen in Abschiebehaft. In einem Schreiben an Heimatschutzminister Markwayne Mullin fordern die Demokraten Richard Blumenthal (Connecticut), Mazie Hirono (Hawaii) und Jon Ossoff (Georgia) umgehend die Freilassung dieser Frauen aus der Obhut der Einwanderungsbehörde ICE.

„Es gibt praktisch keine rechtlichen Schutzmechanismen für schwangere Frauen in Bundesgewahrsam“, heißt es in dem Brief. Die Forderung kommt zu einer Zeit, in der eine neue Gesetzesvorlage der Abgeordneten Sydney Kamlager-Dove (Kalifornien) im Kongress diskutiert wird. Der Entwurf sieht verbindliche Betreuungsstandards für inhaftierte Schwangere vor – einschließlich derer in ICE- und Grenzschutz-Einrichtungen. Die Regelungen würden über ein bereits 2022 beschlossenes Gesetz hinausgehen, das bisher nur für Häftlinge in Bundesgefängnissen galt.

Keine verlässlichen Daten zu Schwangerschaften in Haft

Wie viele schwangere Frauen sich aktuell in Bundesgewahrsam befinden und wie hoch der Anteil der Migrantinnen ist, bleibt unklar. Laut Prison Policy Initiative brachten 2023 mehr als 700 inhaftierte Mütter in US-Gefängnissen ein Kind zur Welt. Zwischen Januar 2025 und Februar 2026 wurden zudem 363 schwangere, frisch entbundene oder stillende Migrantinnen abgeschoben – darunter 16 Frauen, die eine Fehlgeburt erlitten. Im März befanden sich laut Senatsangaben noch 126 schwangere Frauen in Abschiebehaft.

Willkürliche Standards und gefährliche Praktiken

Die medizinische Versorgung schwangerer Inhaftierter variiert stark je nach Bundesstaat oder sogar Haftanstalt. Bundesweite Vorgaben fehlen: Es gibt keine verbindlichen Regeln zur Ernährung in der Schwangerschaft, und in einigen Einrichtungen werden Gefangene weiterhin angekettet – teilweise sogar am Bauch. Zudem werden Mütter oft nur Minuten nach der Geburt von ihren Neugeborenen getrennt. Solche Praktiken gefährden nicht nur das Leben der Frauen, sondern können zu Fehlgeburten, psychischen Traumata und körperlichen Schäden führen.

Gesetzesinitiative soll Schutz garantieren

Die von Kamlager-Dove eingebrachte „Pregnant Women In Custody Act“ zielt darauf ab, die medizinische Versorgung in Bundesgefängnissen, Justizvollzugsanstalten und ICE-Haftzentren zu verbessern. Die Vorlage sieht vor:

  • Verpflichtende pränatale Gesundheitsversorgung für alle inhaftierten Schwangeren
  • Verbot von Fesseln während der Geburt
  • Bessere Datenerfassung zu Schwangerschaften in Haft

„Es ist inakzeptabel, dass schwangere Frauen in Bundesgewahrsam praktisch rechtlos sind“, erklärte Kamlager-Dove in einer Stellungnahme. „Dieses Gesetz soll diesen Missstand beenden und für Mütter und Kinder sicherere Zukunftsperspektiven schaffen.“

Skandalöse Zustände in texanischer Abschiebehaft

In ihrem Schreiben an Minister Mullin wiesen die Senatoren auch auf zwei private Sicherheitsfirmen hin, die im Auftrag des Heimatschutzministeriums das „Camp East Montana“ in El Paso (Texas) betreiben. Wie die New York Times im März berichtete, gibt es in dieser Einrichtung keinen einzigen Arzt vor Ort – obwohl dort schwangere Frauen festgehalten werden. Ein Beispiel: Eine Frau mit vaginalen Blutungen erhielt laut Senatsangaben lediglich Wasser, Schwangerschaftsvitamine und eine Temperaturmessung.

„Wir schreiben Ihnen mit großer Sorge über die gleichgültige Haltung dieser Regierung gegenüber dieser extrem verletzlichen Bevölkerungsgruppe“, heißt es in dem Brief. „Wir fordern Sie auf, umgehend zu handeln.“