Erste koordinierte Razzia gegen illegale P2P-Krypto-Händler in London

Britische Behörden haben erstmals eine koordinierte Aktion gegen mutmaßlich illegale Peer-to-Peer-Krypto-Händler durchgeführt. Die Finanzaufsicht FCA arbeitete dabei mit Polizei und Steuerbehörden zusammen. Bei den Durchsuchungen in acht Londoner Wohnungen wurden Unterlassungsschreiben ausgehändigt. Die gesammelten Beweise fließen nun in strafrechtliche Ermittlungen ein.

Laut Reuters gibt es derzeit keine in Großbritannien registrierten Peer-to-Peer-Krypto-Händler. Die FCA betont, dass der legale Rahmen klar ist: Gelegentliche Privatgeschäfte sind erlaubt, doch wer regelmäßig Krypto gegen Geld tauscht oder organisiert, betreibt ein gewerbliches Geschäft – und muss sich registrieren.

Wann gilt Krypto-Handel als gewerblich?

Die Grenze zwischen privatem Handel und gewerblichem Geschäft ist in Großbritannien klar definiert. Ein gelegentlicher Tausch zwischen Privatpersonen fällt nicht unter die Regulierung. Doch sobald jemand:

  • regelmäßig Krypto gegen Geld oder andere Kryptoassets tauscht,
  • diese Geschäfte organisiert oder vermittelt,
  • eine Art „Dealing Desk“ oder informelle Börse betreibt,
  • Kundengelder verwaltet oder für andere handelt,

– dann gilt dies als gewerbliche Tätigkeit. Die FCA stuft solche Anbieter als „Kryptoasset Exchange Provider“ ein und unterwirft sie ihren Anti-Geldwäsche-Regeln.

Registrierungspflicht und Konsequenzen für unregistrierte Anbieter

Nach den britischen Money Laundering Regulations müssen Krypto-Unternehmen vor Aufnahme ihrer Tätigkeit bei der FCA registriert sein. Die Aufsicht betont: Eine Registrierung ist keine Option, sondern eine gesetzliche Pflicht. Unregistrierte Anbieter riskieren nicht nur Strafen, sondern auch strafrechtliche Verfolgung.

Die FCA begründet die strengen Regeln mit dem Schutz vor Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Betrug. Registrierte Unternehmen müssen:

  • Kunden identifizieren (KYC-Prüfungen),
  • Transaktionen überwachen,
  • verdächtige Aktivitäten melden,
  • umfassende Aufzeichnungen führen.

Unregistrierte Anbieter schaffen dagegen ein erhöhtes Risiko: Sie können illegale Gelder in scheinbar legale Werte umwandeln und hinterlassen weniger digitale Spuren.

Finanzielle Werbung für Krypto unterliegt strengen Regeln

Seit der Ausweitung des britischen Finanzwerberechts auf Kryptoassets müssen Unternehmen, die in Großbritannien werben, bestimmte Vorgaben einhalten. Zulässige Wege sind:

  • Werbung durch ein autorisiertes Unternehmen,
  • Genehmigung durch ein autorisiertes Unternehmen,
  • Kommunikation durch ein bei der FCA registriertes Krypto-Unternehmen (unter bestimmten Ausnahmen),
  • andere gültige Ausnahmen.

Werbung außerhalb dieser Wege verstößt gegen den Section 21 des Financial Services and Markets Act und gilt als Straftat.

Steuerbehörden verschärfen die Kontrolle

Die Einbindung der Steuerbehörden in die Ermittlungen zeigt, wie ernst die britischen Behörden das Thema nehmen. Zwar bedeutet die Beteiligung der Steuerfahndung nicht automatisch, dass jeder Betroffene Steuern hinterzogen hat. Doch sie unterstreicht, dass gewerbliche Krypto-Aktivitäten steuerpflichtig sind. Wer Gebühren einnimmt, Spreads erzielt oder durch wiederholten Handel Gewinne generiert, muss diese versteuern. Fehlende Registrierung, mangelnde Kundenprüfungen und schlechte Buchführung können zu einer Kombination aus Finanzaufsicht, Steuerprüfung und strafrechtlicher Verfolgung führen.

„Die Razzia sendet eine klare Botschaft an den Markt: Wer Krypto-Handel professionell betreibt, muss sich an die Regeln halten – sonst drohen Konsequenzen.“

– Finanzaufsicht FCA

Ausblick: Strengere Regeln für Krypto in Großbritannien

Die Aktion der britischen Behörden ist ein weiterer Schritt in der Verschärfung der Regulierung von Kryptoassets. Die FCA hat bereits im Mai 2023 gegen illegale Krypto-Geldautomaten vorgegangen, da diese nicht registriert waren. Experten erwarten, dass die Aufsicht ihre Überwachung weiter ausbauen wird – insbesondere im Bereich Peer-to-Peer-Handel und informelle Börsen.

Für Anleger und Händler bedeutet dies: Wer sich nicht an die Vorschriften hält, riskiert nicht nur finanzielle Verluste durch Strafen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen. Die Zeiten des „Wilden Westens“ im Krypto-Handel sind in Großbritannien vorbei.