Ein Soldat der US-Armee sitzt in seinem Kampfpanzer vom Typ M1 Abrams während des "U.S. Army Europe and Africa International Tank Challenge" am 11. Februar 2025 in Grafenwöhr, Deutschland. (Foto: Sean Gallup/Getty Images)

Einer der größten Fehler meiner Karriere war nicht etwas, das ich tat, sondern etwas, das ich nicht verhindern konnte. Als Kommandeur der US-Armee in Europa Anfang der 2010er Jahre erlebte ich, wie Truppen aus dem europäischen Einsatzgebiet abgezogen wurden. Ich warnte eindringlich – gegenüber Kongressmitgliedern, der Regierung, dem Pentagon und sogar meinen eigenen Militärs – davor, diese Entscheidung zu treffen. In den letzten Diskussionen flehte ich darum, wenigstens eine weitere Panzerbrigade in Europa zu belassen. Diese Kräfte hätten nicht nur unseren Verbündeten, sondern auch unserem Gegner Putin gezeigt, dass die USA weiterhin präsent und engagiert sind. Ich war damals überzeugt – und bin es heute noch –, dass dieser Rückzug Russland die Möglichkeit gab, die NATO zu testen und sein langfristiges Ziel der Einflussausweitung voranzutreiben.

Meine Argumente verhallten ungehört. Die Soldaten der Brigade wurden in die USA zurückbeordert. Nicht lange danach besetzte Russland die Krim und drang in die Ostukraine ein. Ich behaupte nicht, dass die Entscheidungen meiner Vorgesetzten diese Aggression direkt verursacht haben – aber ich bin überzeugt, dass sie dazu beigetragen hat.

Ich erinnere mich an eine Warnung des damaligen georgischen Präsidenten Mikheil Saakaschwili, der mir damals klar sagte: Wenn wir diese Art von militärischer Präsenz aus Europa abziehen, wird Moskau handeln. Er hatte recht. Bis heute frage ich mich, wie ich überzeugender hätte sein können.

Als ich am vergangenen Freitag erfuhr, dass der neue Verteidigungsminister Pete Hegseth einen Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Europa ankündigte – angeblich basierend auf einer „gründlichen Überprüfung“, in Wahrheit wohl als Reaktion auf kritische Äußerungen des deutschen Kanzlers Friedrich Merz zum Iran-Konflikt –, hörte ich ein Echo der Debatten von vor über einem Jahrzehnt. Und ich fürchte, wir stehen kurz davor, einen noch größeren Fehler zu begehen.

Die Folgen des Truppenabbaus von 2012

Ich möchte die angeblich „gründliche Überprüfung“ des Pentagon sehen. Denn ich war selbst an einer ähnlichen Analyse vor über zehn Jahren beteiligt. Ich plante und führte damals die letzte große Umstrukturierung der US-Streitkräfte in Europa durch – ein Prozess, der die Truppenstärke von 90.000 auf etwa 34.000 Soldaten zwischen 2004 und 2012 reduzierte.

Diese Entscheidung war weder schnell noch leichtfertig getroffen worden. Sie erforderte Jahre der Analyse, Koordination und ständiger Verhandlungen zwischen Regierungen, Militärdienststellen und Bündnispartnern. Die Truppenverlegungen mussten mit den Einsätzen in Irak und Afghanistan abgestimmt werden, um Familien und Einheiten nicht zu zerreißen. Zudem waren umfangreiche Konsultationen mit Gastgeberländern wie Deutschland und Italien notwendig, wo politische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte genauso wichtig waren wie militärische Erwägungen. Die Planung umfasste den Abbau von Stützpunkten, die Konsolidierung der Infrastruktur und die Neuverteilung der verbleibenden Kräfte.

Ein gefährliches Signal an Moskau

Die Reduzierung der Truppenstärke war Teil einer strategischen Neuausrichtung der USA nach dem Ende des Kalten Krieges. Doch sie hatte ungewollte Konsequenzen. Mit dem Abzug der Brigade im Jahr 2012 verlor Europa eine sichtbare militärische Präsenz, die als Abschreckung gegenüber Russland diente. Die Lücke, die entstand, wurde von Moskau als Zeichen der Schwäche interpretiert – und genutzt. Die Annexion der Krim 2014 und die Unterstützung prorussischer Separatisten in der Ostukraine folgten kurz darauf.

Heute, mehr als ein Jahrzehnt später, droht eine ähnliche Entwicklung. Die angekündigte Reduzierung um weitere 5.000 Soldaten mag auf den ersten Blick gering erscheinen. Doch in einer Zeit, in der Russland seine militärische Aggression in der Ukraine fortsetzt und seine Rhetorik gegenüber der NATO verschärft, sendet jede Schwächung der US-Präsenz in Europa ein fatales Signal. Es könnte als Einladung für weitere Provokationen verstanden werden.

Die Lehren aus der Vergangenheit

Die Geschichte zeigt: Militärische Präsenz ist mehr als nur eine Frage der Truppenstärke. Sie ist ein politisches Statement. Sie signalisiert Verbündeten Verlässlichkeit und Gegnern Entschlossenheit. Der Abzug von 2012 hat gezeigt, dass selbst gut gemeinte strategische Anpassungen unvorhergesehene Risiken bergen können. Ein erneuter Rückzug könnte die Glaubwürdigkeit der USA in Europa weiter untergraben – und damit die Sicherheit des gesamten Bündnisses gefährden.

Es ist daher entscheidend, dass die aktuelle „Überprüfung“ des Pentagon nicht nur militärische, sondern auch strategische und politische Aspekte berücksichtigt. Die USA müssen sicherstellen, dass ihre Präsenz in Europa nicht als verhandelbar wahrgenommen wird. Denn in der heutigen geopolitischen Lage ist Abschreckung kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.