Risikokapitalgeber (VCs) sind bekannt für ihre Fähigkeit, Trends früh zu erkennen und in vielversprechende Startups zu investieren. Doch in den letzten Jahren zeigt sich ein neues Phänomen: Viele VCs ändern ihre Investitionsstrategien und Schwerpunkte so schnell, dass Gründer kaum hinterherkommen. Ein Investor beschreibt dies als „Fund Theses That Piss Me Off“ – eine interne Liste von Thesen, die ihm besonders sinnlos oder austauschbar erscheinen.

Besonders auffällig ist dieser Wandel in Bereichen wie dem Klimaschutz. Noch vor wenigen Jahren galten Klimafonds als einer der heißesten Trends im VC-Bereich. Heute sind viele dieser Fonds entweder verschwunden oder haben ihre Strategien grundlegend geändert. Ein Beispiel: Ein VC, der einst gezielt in Klimatechnologien investierte, wirbt nun mit „KI für den Klimaschutz“ – ein scheinbarer Widerspruch, der zeigt, wie sehr sich die Sprache und die Prioritäten verschoben haben.

Hinter diesem Wandel stecken oft politische Entwicklungen. In den USA etwa hat sich die Rhetorik rund um das Thema Klimaschutz stark verändert. Begriffe wie „American Dynamism“, „Resilienz“ oder „Versorgungsketten“ ersetzen zunehmend direkte Klimabegriffe. Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Diversität: Noch vor wenigen Jahren war es ein zentraler Bestandteil vieler VC-Thesen. Heute wird es kaum noch offen angesprochen, um politische Kontroversen zu vermeiden.

Doch nicht nur Politik treibt diesen Wandel voran. Auch technologische Trends spielen eine entscheidende Rolle. Vor einigen Jahren waren viele VCs noch Generalisten, die in SaaS- oder Enterprise-Software investierten. Heute dominieren Themen wie künstliche Intelligenz (KI) und Verbraucherprodukte den Markt. Der Aufstieg von Large Language Models (LLMs) hat die Einstiegshürden für Software-Startups gesenkt. Da Produkte heute schneller und einfacher entwickelt werden können, suchen Investoren nach Bereichen, in denen der Schutz vor Nachahmung größer ist – etwa in der Hardware oder bei Konsumgütern.

Für Gründer bedeutet dies ständige Anpassung. Noch vor einem Jahr galten Hardware- und Konsumgüter-Startups als unpopulär. Heute sind sie wieder gefragt. Diese ständigen Schwankungen führen zu einer großen Unsicherheit: Welche Trends sind wirklich nachhaltig, und welche werden nur kurzfristig von Investoren gehyped?

Die Frage bleibt: Wie können Gründer in diesem dynamischen Umfeld erfolgreich sein? Ein Investor rät dazu, sich nicht nur auf die aktuellen Trends zu konzentrieren, sondern langfristige Marktchancen zu erkennen. Denn am Ende geht es darum, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln – unabhängig von den kurzfristigen Launen der VC-Branche.