Der US-Supreme Court hat die letzte Phase seiner Amtszeit 2025–2026 erreicht. Alle mündlichen Verhandlungen sind abgeschlossen, die schriftlichen Stellungnahmen eingereicht. Übrig bleibt nun die Abfassung und Verkündung der noch ausstehenden Urteile. Diese werden voraussichtlich noch in diesem oder im nächsten Monat erwartet, da der Supreme Court seine Entscheidungen traditionell bis Ende Juni trifft – rechtzeitig für die Sommerpause.
Hier sind die elf wichtigsten Fälle, die in den kommenden Wochen für Aufsehen sorgen könnten:
Einwanderung: Asylrecht und Schutzstatus im Fokus
Zwei zentrale Einwanderungsfälle stehen noch aus:
- Mullin v. Al Otro Lado: Das Gericht entscheidet, ob Asylsuchende an der US-Grenze abgewiesen werden dürfen oder ob sie zwingend von Einwanderungsbeamten überprüft und in das Asylverfahren aufgenommen werden müssen.
- Mullin v. Doe: Hier geht es um die Frage, ob die Trump-Administration den vorübergehenden Schutzstatus (TPS) für Syrer und Haitianer rechtswidrig aufgehoben hat. Der TPS ermöglicht es ausgewählten Ausländern, in den USA zu bleiben, wenn eine Rückkehr in ihre Heimatländer zu riskant wäre.
Waffenrecht: Zweite Verfassungszusatz und staatliche Regulierung
Auch im Bereich Waffenrecht warten zwei bedeutende Entscheidungen:
- Wolford v. Lopez: Das Gericht prüft, ob Hawaii gegen das Recht auf Waffenbesitz aus dem Zweiten Verfassungszusatz verstößt, indem es Trägern von verdeckten Waffenscheinen vorschreibt, die ausdrückliche Erlaubnis des Grundstückseigentümers einzuholen, um auf öffentlich zugänglichem Privatbesitz eine Waffe zu tragen.
- United States v. Hemani: Die Richter müssen klären, ob ein Bundesgesetz, das illegalen Drogenkonsumenten den Besitz von Waffen verbietet, mit dem Zweiten Verfassungszusatz vereinbar ist.
Transgender-Sportler: Geschlechtergerechte Sportwettbewerbe
Im Januar wurden zwei Fälle verhandelt, die sich mit staatlichen Verboten für Transgender-Frauen und -Mädchen in Frauensportwettbewerben befassen:
- Little v. Hecox: Die zentrale Frage lautet: Verstoßen Gesetze, die den Zugang zu Frauensportwettbewerben auf biologisch weibliche Personen beschränken, gegen den Gleichheitsgrundsatz des 14. Zusatzartikels?
- West Virginia v. B.J.P.: Hier wird diskutiert, ob Titel IX – ein Bundesgesetz gegen Geschlechterdiskriminierung – es einem Bundesstaat untersagt, Sportteams nach dem bei der Geburt festgestellten biologischen Geschlecht einzuteilen.
Präsidiale Kontrolle über Bundesbehörden
Zwei weitere Fälle betreffen die Machtbefugnisse des Präsidenten gegenüber Bundesbehörden:
- Trump v. Slaughter: Das Gericht entscheidet, ob Präsident Donald Trump einen Kommissar der Federal Trade Commission (FTC) aus rein politischen Gründen entlassen darf – entgegen einer Präzedenzentscheidung aus dem Jahr 1935, die eine solche Entlassung nur bei „triftigem Grund“ zulässt. Die Frage ist, ob dieses Urteil aufgehoben, eingeschränkt oder bestätigt wird.
„Die anstehenden Entscheidungen des Supreme Court könnten weitreichende Auswirkungen auf Einwanderungspolitik, Waffenrecht und die Rechte von Transgender-Personen haben. Besonders die Urteile zu präsidialer Macht und Bundesbehörden werden mit Spannung erwartet.“