Aston Martin, einst als Hoffnungsträger der britischen Automobilindustrie gefeiert, steckt in einer tiefen Krise. Seit dem Börsengang im Jahr 2018 hat das Unternehmen rund 90 Prozent seines Marktwerts eingebüßt. Während der Börsengang 2018 noch mit einer Bewertung von etwa 4,3 Milliarden Pfund (5,8 Milliarden US-Dollar) erfolgte, liegt der aktuelle Wert bei nur noch rund 430 Millionen Pfund (584 Millionen US-Dollar).

Doch die finanziellen Probleme des Traditionsherstellers verschärfen sich weiter: Vor zwei Wochen benötigte Aston Martin bereits zum achten Mal seit dem Börsengang Notfallkapital. Letztlich sicherte sich das Unternehmen 50 Millionen Pfund (67,9 Millionen US-Dollar) von einem Investorenkonsortium unter der Führung von Lawrence Stroll, dem größten Einzelaktionär mit 31 Prozent der Anteile. Stroll hatte Aston Martin bereits 2020 mit einer milliardenschweren Investition vor dem Kollaps bewahrt.

Doch die Zukunft des Unternehmens bleibt ungewiss. Die Vorsteuerverluste stiegen im vergangenen Jahr um 25 Prozent auf 364 Millionen Pfund (494 Millionen US-Dollar). Trotz dieser alarmierenden Zahlen betont Stroll weiterhin seine Verbundenheit mit Aston Martin. Doch hinter den Kulissen wird spekuliert: Könnte der chinesische Automobilriese Geely das Ruder übernehmen?

Geely als möglicher Retter?

Geely hält derzeit rund 14 Prozent der Anteile an Aston Martin und ist damit der drittgrößte Aktionär. Der Konzern, der bereits den britischen Sportwagenhersteller Lotus kontrolliert und 2013 das London Taxi Company vor der Insolvenz rettete, könnte erneut als Retter in der Not auftreten. Geelys Gründer und Vorstandsvorsitzender Li Shufu ist bekannt für seine Vorliebe für britische Automarken. Allerdings verlief die Übernahme von Lotus und LEVC bisher nicht ohne Probleme: Lotus musste kürzlich über 500 Mitarbeiter entlassen und verzeichnete im ersten Halbjahr 2025 einen Verlust von 195 Millionen Pfund (264 Millionen US-Dollar).

Sollte Geely versuchen, Aston Martin zu retten, könnte dies jedoch mit drastischen Veränderungen einhergehen. Ein Zulieferer des britischen Herstellers erklärte gegenüber The Telegraph:

„China hat die niedrigsten Produktionskosten weltweit, und das klassische Geschäftsmodell Chinas besteht darin, dorthin zu gehen, wo das Geld ist. Die Befürchtung ist, dass sie alles nach China verlagern. Wir mögen das nicht, aber in gewisser Weise wäre es die vernünftigste Lösung.“

Doch die Investoren zeigen sich zunehmend skeptisch. Während Geelys Anteil von einst rund 17 Prozent auf etwa 14 Prozent gesunken ist, reduzierte auch Mercedes seinen Anteil von bis zu 20 Prozent auf weniger als 8 Prozent. Die Unsicherheit über die Zukunft Aston Martins wächst.

Experten fordern chinesische Partnerschaft

Andy Palmer, ehemaliger CEO von Aston Martin, plädiert dafür, chinesische Investoren offen gegenüberzustehen.

„Sie sind uns wahrscheinlich zehn Jahre voraus, wenn es um die Entwicklung von Elektroautos und neuen Technologien geht.“

Doch die Frage bleibt: Kann Aston Martin unter Geelys Führung überhaupt noch überleben? Die bisherigen Erfahrungen mit chinesischen Übernahmen britischer Automobilmarken zeigen gemischte Ergebnisse. Während Volvo unter Geelys Führung florierte, kämpfen Lotus und LEVC mit strukturellen Problemen. Sollte Geely die Kontrolle übernehmen, könnte dies zwar finanzielle Stabilität bringen, aber auch den Verlust von Arbeitsplätzen und Produktionsstandorten in Großbritannien bedeuten.

Quelle: CarScoops