Banken-Lobby startet massive Gegenkampagne gegen Krypto-Regulierung
Die American Bankers Association (ABA) schaltet seit Monaten gezielte Werbung in Washington, um Senatoren zum Handeln zu bewegen. In einem aktuellen Spot heißt es: „Schützen Sie lokale Kreditvergabe und fördern Sie Innovation. Fordern Sie Senatoren auf, die Stablecoin-Schlupflöcher zu schließen.“ Die Kampagne richtet sich direkt an den Senat, das Weiße Haus und Aufsichtsbehörden – mit dem Ziel, die CLARITY Act voranzutreiben.
Koordinierte Offensive: 3.200 Banken gegen Stablecoin-Zinsen
Im Januar unterzeichneten über 3.200 Bankiers einen offenen Brief an den Senat und forderten die Schließung des sogenannten „Zahlungszins-Schlupflochs“. Die ABA und unterstützende Branchenverbände folgten mit einer gemeinsamen Forderung: ein komplettes Verbot von Zinszahlungen auf Stablecoins, die von Emittenten, Partnerplattformen oder Drittanbietern ausgehen. Die Begründung: Ohne strengere Regeln drohe ein Abfluss von bis zu 6,6 Billionen Dollar an Einlagen aus traditionellen Banken in Krypto-Produkte.
Die Kampagne ist hochgradig koordiniert. Laut ABA-Dokumenten wurden in der Woche vom 9. März gezielt Anzeigen in Politico Morning Money geschaltet. Zudem läuft eine digitale Offensive, die Kongressmitglieder, Regierungsvertreter und Regulierungsbehörden direkt anspricht. Die Finanzbranche setzt dabei auf eine Mischung aus Druck und Sachargumenten.
Senat blockiert – doch der Zeitdruck steigt
Der Weg des CLARITY Act durch den Senat gestaltet sich schwierig. Die US-Repräsentantenhaus verabschiedete das Gesetz bereits am 17. Juli 2025 mit einer deutlichen Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen. Damit hat der Senat einen klaren Auftrag zur Umsetzung. Doch obwohl der Bankenausschussvorsitzende Tim Scott eine Markup-Sitzung für den 15. Januar 2026 angesetzt hatte, bleibt der Termin auf der offiziellen Agenda ausgesetzt. Als nächstes steht eine Anhörung zur Nominierung von Kevin Warsh am 21. April an – ein CLARITY-Markup ist nicht geplant.
Experten gehen davon aus, dass eine mögliche Markup-Sitzung frühestens in der letzten Aprilwoche oder zweiten Maiwoche stattfinden könnte. Doch die Zeit wird knapp: Vor der Sommerkampagne bleibt wenig Raum für Verhandlungen. Jede weitere Diskussion über Stablecoin-Zinsen verengt das Zeitfenster zusätzlich. Für die Bankenlobby ist allein die Verlängerung des Konflikts ein Erfolg, da sie so ihre Position festigen kann.
Worum geht es wirklich? Die Debatte um die „Stablecoin-Schlupflöcher“
Hintergrund ist das bestehende GENIUS Act, das bereits direkte Zinszahlungen durch Stablecoin-Emittenten verbietet. Die Banken kritisieren jedoch, dass die aktuelle Gesetzesfassung kein explizites Verbot für Partnerplattformen oder Drittanbieter enthält. Konkret geht es um Szenarien, in denen eine Krypto-Börse Zinsen auf Stablecoins zahlt – und so um Kundeneinlagen konkurriert.
Die Bankenlobby argumentiert, dass solche „Schlupflöcher“ die lokale Kreditvergabe gefährden. Doch die Wirtschaftsberater des Weißen Hauses (CEA) kommen zu einem anderen Schluss: Ein Verbot von Stablecoin-Zinsen würde die Bankkreditvergabe lediglich um 2,1 Milliarden Dollar (0,02 % des aktuellen Bestands) erhöhen – bei einem Nettokostenaufwand von 800 Millionen Dollar. Der Großteil des Zuwachses (76 %) würde dabei an Großbanken gehen, nur 24 % an Gemeinschaftsbanken, die eigentlich geschützt werden sollen.
Die ABA widersprach diesen Zahlen umgehend und betonte, die CEA habe die falsche Fragestellung untersucht. Die eigentliche Gefahr liege in einem zukünftigen Szenario, in dem Krypto-Plattformen durch attraktive Zinsangebote massiv Einlagen abziehen könnten.
Fazit: Ein Machtkampf um die Zukunft des Bankensektors
Der Konflikt zwischen traditionellen Banken und der Krypto-Branche eskaliert. Während die ABA mit millionenschweren Kampagnen Druck aufbaut, zögert der Senat mit klaren Entscheidungen. Die Frage ist nicht nur technisch – es geht um Macht, Marktanteile und die Kontrolle über das Finanzsystem. Ob der CLARITY Act noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet wird, bleibt offen. Doch eines ist sicher: Die Banken werden weiter kämpfen.