Der Tag begann schon verloren, bevor er überhaupt angefangen hatte. Nach 72 Minuten im Stau auf dem Weg zur Werkstatt hatte ich gerade einmal acht Meilen geschafft: Tankstopp, Tachostand eines 10-Dollar-Miatas zurückgesetzt, Auffahrt auf die I-5 – und dann nur noch Stillstand. Nicht einmal ein lahmer Gaul hätte es langsamer geschafft. Die Expressspuren waren wegen Bauarbeiten gesperrt, und der Seattle-Verkehr verwandelte sich in ein Höllenbild à la Hieronymus Bosch. Aus der üblichen 40-minütigen Rushhour-Tour (mit 85-mph-Miata-Blitz) wurden drei Stunden Fahrt. Und das, bevor die Camaro-Suspension überhaupt angefasst wurde.
In der Werkstatt erwartete mich dann das nächste Desaster: Unser Rennteam hatte am Wochenende mit den Lemons-Rennen einen herben Rückschlag erlitten. Nicht im übertragenen Sinne – nein, der Motor qualmte buchstäblich. Als wir den Zylinderkopf abnahmen, starrten wir auf einen Kolben, der aussah, als wäre er in eingedicktem Kühlmittel baden gegangen. Das Bild zeigt den Schrottplatz in der Werkstatt. Nicht zu sehen: Ein Mustang II mit Kölner Sechszylinder – und möglicherweise einem verzogenen Zylinderkopf.
Nach der Ankunft begann das Team, den Kopf zu demontieren und den Kolben zu untersuchen. Drei Mechaniker musterten die konzentrischen Kreismuster auf der Oberfläche mit der gleichen Faszination, mit der unsere Vorfahren einst die Sonne bestaunt haben müssen. Doch das war nicht der einzige Motorschaden dieser Woche. Der bayerische Reihen-Sechszylinder, der bereits in einem anderen Rennwagen explodiert war, wurde nun aus einem dritten Fahrzeug ausgebaut. Und als ob das nicht genug wäre: Ein dritter Motor – diesmal ein Chevy-Reihensechszylinder – landete ebenfalls auf dem Prüfstand. Die Werkstatt glich einem Schlachtfeld: Überall Tod und Zerstörung.
Doch nicht alles war verloren. Der neue BMW S52 für unseren C3 Corvette-Rennwagen sollte noch rechtzeitig fertig werden. Jeder Reihen-Sechszylinder verdient schließlich eine zweite Chance.
Mittags hatte sich die Stimmung von ambitioniert zu traumatisiert gewandelt. Die Frage lautete nicht mehr, was wir erreichen könnten, sondern: Was lässt sich in den nächsten Stunden überhaupt noch retten? Wir beschlossen, die Kisten mit gesammelten Teilen zu inventarisieren, das Chaos an Ersatzteilen zu sortieren und die angeschlagenen Fahrzeuge in eine halbwegs geordnete Struktur zu bringen. Dieser Teil unserer Camaro-Serie wird daher weniger ein technischer Bericht als vielmehr ein fotografischer Einblick in den Werkstattalltag – inklusive kleiner Vorschau auf das, was noch kommt.
Wie immer sind wir gespannt auf eure Erfahrungen: Viele von euch haben bereits eigene Camaro-Projekte umgesetzt und können sicher nachvollziehen, dass nicht jeder Tag im Rennsport nach Plan läuft. Und ja, das da im Hintergrund ist tatsächlich ein Jaguar. Nein, wir werden keine weiteren Fragen dazu beantworten.
Doch wo gehobelt wird, fallen Späne – und manchmal auch Schnäppchen. Auf Facebook Marketplace findet sich so manches versteckte Juwel, wenn man geduldig ist und offen für Überraschungen bleibt. Ich hatte eigentlich auf das teuerste Detroit Speed-Kit für den Camaro hingearbeitet, doch manchmal kommt es anders...