Enteignung in Baltimore scheitert – Anwohner scheitern mit Klage
Im Jahr 2006 stimmte die Stadt Baltimore der Enteignung eines großen Grundstücks zu, um es an einen privaten Entwickler zu übergeben. Doch das Projekt wurde ein Flop: Das Gelände liegt heute größtenteils brach, ist von Ratten verseucht und stört die Nachbarschaft. Der Vierte US-Berufungsgerichtshof entschied nun, dass die betroffenen Anwohner trotz des gescheiterten Projekts keine Klage nach dem Takings Clause (Fünfter Zusatzartikel) erheben können, um die Enteignung anzufechten. Die Richter verwiesen darauf, dass die ursprüngliche Entscheidung rechtmäßig war – selbst wenn die Folgen heute problematisch erscheinen.
Waffenrecht: Navy-Reservist scheitert mit Second Amendment-Klage
Ein Navy-Reservist, der nach dem Sturm auf das Kapitol im Januar 2021 begnadigt wurde, kaufte Waffen im Wert von über 40.000 US-Dollar – darunter auch Reinigungsgeräte, die zu Schalldämpfern umgebaut werden können. Er wurde wegen Besitzes nicht registrierter Schalldämpfer verurteilt. Der Vierte US-Berufungsgerichtshof bestätigte das Urteil: Selbst wenn Schalldämpfer unter den Zweiten Zusatzartikel fallen sollten, sei das Lizenzsystem verfassungsgemäß. Richter Wilkinson ging noch weiter und erklärte, Schalldämpfer seien generell nicht vom Zweiten Zusatzartikel geschützt. Richter Richardson widersprach in seiner abweichenden Meinung und kritisierte, dass die bestehende Rechtsprechung des Gerichtshofs nicht mit der aktuellen Bruen-Entscheidung des Supreme Court vereinbar sei.
Durchsuchung in Texas: Falsche Adresse führt zu Grundrechtseingriff
Eine Frau rief in der Nacht die Polizei, weil sie dachte, jemand klopfe an ihre Tür. Die Beamten verließen das Haus, kehrten jedoch 30 Minuten später zurück – diesmal auf Drängen ihres Mannes und Sohnes, die jedoch nicht vor Ort waren. Der Sohn gab der Polizei die falsche Adresse an, woraufhin die Beamten zunächst das Haus eines Nachbarn betraten, dies jedoch wieder verließen. Doch dann drangen sie erneut ein und weckten die schlafenden Nachbarn mit vorgehaltener Waffe auf. Der Fünfte US-Berufungsgerichtshof entschied, dass die Klage teilweise weiterverfolgt werden kann, und prüft nun mögliche Verstöße gegen den Vierten Zusatzartikel (Schutz vor ungerechtfertigten Durchsuchungen).
Dropbox und staatliche Durchsuchungen: Sieben Richter bestätigen umstrittene Klausel
Der Siebte US-Berufungsgerichtshof hat in einem aktuellen Urteil eine umstrittene Praxis bestätigt: Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Dropbox erlauben es dem Unternehmen, Nutzerdaten – darunter auch Informationen über kinderpornografische Inhalte – an quasi-staatliche Stellen weiterzugeben. Die Richter argumentierten, dass Nutzer durch das Akzeptieren der AGB in die Weitergabe eingewilligt hätten. Kritiker sehen darin eine gefährliche Ausweitung staatlicher Überwachungsmöglichkeiten, da die Klauseln oft ungelesen akzeptiert werden. Das Urteil vertieft damit eine bestehende Rechtszersplitterung in den USA.
Einwanderungspolitik: Gericht verlängert Einwilligungsdekret nur kurz
Im Jahr 2018 klagte eine Gruppe von Nichtstaatsbürgern gegen das Heimatschutzministerium (DHS) wegen einer Politik, die willkürliche Festnahmen ohne richterliche Anordnung erlaubte. 2022 einigte sich das Gericht auf ein Dekret, das bis zum 12. Mai 2025 gelten sollte. 2025 beantragten die Kläger eine Verlängerung, da das DHS die Vorgaben nicht einhalte. Das erstinstanzliche Gericht gewährte eine Verlängerung von nur 118 Tagen. Das DHS lehnte weitere Zugeständnisse ab. Der Siebte US-Berufungsgerichtshof bestätigte die kurze Verlängerung – gegen die Stimme eines Richters, der eine längere Frist für notwendig hielt.
Fazit
Die aktuellen Urteile der US-Berufungsgerichte zeigen einmal mehr, wie vielfältig und kontrovers rechtliche Fragen in den USA diskutiert werden – von Eigentumsrechten über Waffenbesitz bis hin zu Datenschutz und Einwanderungspolitik. Die Entscheidungen haben weitreichende Auswirkungen auf Bürger, Unternehmen und staatliche Institutionen.