Coinbase dominiert den Bitcoin-ETF-Markt – doch langsam ändert sich das
Bitcoin-ETFs versprachen Anlegern eine einfache Lösung: Krypto-Exposition in einem regulierten Finanzprodukt, das sich nahtlos in bestehende Portfolios einfügt. Berater konnten es kaufen, Compliance-Teams verstanden es, und Institutionen konnten Kapital in digitale Assets lenken – alles in einem vertrauten Rahmen. Diese Strategie ging auf: Bis zum 8. April belief sich das verwaltete Vermögen der US-Spot-Bitcoin-ETFs laut CryptoSlate auf 91,71 Milliarden US-Dollar. Die Nachfrage ist ungebrochen, doch jetzt rückt ein anderes Problem in den Fokus: die Infrastruktur.
Am 20. April reichte Grayscale eine geänderte Version seines Hyperliquid-ETF-Antrags ein und benannte die Anchorage Digital Bank als neuen Verwahrer – statt wie bisher Coinbase. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine kleine Anpassung für ein neues Produkt. Doch im größeren Kontext ist es ein Zeichen dafür, dass Emittenten beginnen, ihre Abhängigkeit von einem einzigen Back-Office-Gatekeeper zu hinterfragen.
Wie stark ist Coinbase in der ETF-Verwahrung wirklich?
Laut einer Analyse von CryptoSlate vom 12. April entfallen auf ETFs, deren Unterlagen Coinbase als Haupt- oder Mitverwalter nennen, rund 77,10 Milliarden US-Dollar – das entspricht 84,1 % des gesamten US-Spot-Bitcoin-ETF-Marktes. Selbst bei einer strengeren Betrachtung, die Mehrfachverwalter oder unklare Aufteilungen ausschließt, bleiben noch 74,06 Milliarden US-Dollar (80,8 %) in irgendeiner Form mit Coinbase verbunden. Diese Zahlen zeigen: Die Konzentration auf einen Verwahrer ist kein nebensächliches Detail, sondern ein zentraler Faktor für die institutionelle Akzeptanz von Bitcoin.
Ein einzelner Antrag allein bedeutet noch keinen Trend. Doch die Wahl des Verwahrers ist für Emittenten, Anwälte und Aufsichtsräte ein entscheidendes Signal. Wenn ein Markt, der jahrelang dieselbe Entscheidung traf, plötzlich Variationen zeigt, sollte man genauer hinschauen.
Warum Coinbase zur ersten Wahl wurde – und warum sich das jetzt ändert
Der Bitcoin-ETF-Boom baute auf einem einzigen Standard auf: Coinbase als Verwahrer. Als die Spot-Bitcoin-ETFs im Januar 2024 die Zulassung erhielten, brauchten Emittenten einen Anbieter mit nachweislicher Compliance, einer etablierten Infrastruktur und einer Reputation, die bei Vorständen, Wirtschaftsprüfern, Market Makern und Regulierungsbehörden Vertrauen schafft. Coinbase erfüllte diese Kriterien – und wurde zur ersten Wahl.
Sobald die großen Emittenten Coinbase wählten, übernahmen kleinere Anbieter diesen Standard. Das Muster setzte sich bis 2026 fort. So benannte etwa Morgan Stanley in seinem aktualisierten Antrag im März Coinbase Custody und BNY als Verwahrer für sein geplantes Bitcoin-ETF-Produkt. Als der Morgan Stanley Bitcoin Trust später an den Markt ging, nutzte er dieselbe Verwahrungsinfrastruktur wie viele andere ETFs zuvor. So vertieft sich die Abhängigkeit von einer einzigen operativen Lösung – mit jedem neuen Marktteilnehmer.
Coinbases eigene regulatorische Entwicklung stärkte diese Position zusätzlich: Am 2. April erhielt das Unternehmen die bedingte Genehmigung der US-Währungsaufsicht (OCC) für die Gründung der Coinbase National Trust Company. Damit festigte Coinbase seinen Status als vertrauenswürdiger Partner für institutionelle Anleger. Doch genau diese Dominanz könnte nun ins Wanken geraten.
Grayscales Wechsel zu Anchorage – ein Weckruf für die Branche?
Grayscales Entscheidung, für seinen neuen Hyperliquid-ETF auf Anchorage Digital Bank umzusteigen, ist mehr als ein Routinewechsel. Sie signalisiert, dass Emittenten beginnen, ihre Verwahrungsstrategien zu überdenken. Anchorage ist ein etablierter Krypto-Verwahrer mit starkem Fokus auf Sicherheit und Compliance – und könnte eine echte Alternative zu Coinbase darstellen.
Doch die Branche steht vor einer Herausforderung: Die Umstellung ist komplex. Institutionelle Anleger, die seit Jahren auf Coinbase setzen, müssen nun prüfen, ob neue Verwahrer dieselben Sicherheitsstandards und regulatorischen Anforderungen erfüllen. Gleichzeitig könnte dieser Schritt andere Emittenten ermutigen, ebenfalls Alternativen zu evaluieren – und so die Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter zu verringern.
„Die Konzentration auf Coinbase ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrelanger Standardisierung. Doch Märkte entwickeln sich weiter – und mit ihnen die Anforderungen an Verwahrer.“
Was kommt als Nächstes? Die Zukunft der Krypto-Verwahrung
Ob Grayscales Schritt ein Einzelfall bleibt oder den Beginn einer breiteren Diversifizierung markiert, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die ETF-Branche steht vor einer wichtigen Weichenstellung. Wenn mehr Emittenten ihre Verwahrer überdenken, könnte das zu einer gesünderen, dezentraleren Infrastruktur führen – und damit das Vertrauen in Bitcoin-ETFs weiter stärken.
Eines ist sicher: Die Nachfrage nach regulierten Krypto-Produkten wird nicht nachlassen. Doch die Frage, wer diese Produkte verwahrt, wird in Zukunft eine noch größere Rolle spielen – für Anleger, Regulierer und die gesamte Branche.