Die indigene Schauspielerin und Aktivistin Q’orianka Kilcher hat den Regisseur James Cameron und die The Walt Disney Company verklagt. Sie wirft ihnen vor, ihr Gesicht ohne ihre Zustimmung für die Hauptfigur Neytiri in den erfolgreichen „Avatar“-Filmen genutzt zu haben. Die Klage wurde am Dienstag eingereicht.
Laut der Anklage extrahierte Cameron ihre biometrischen Gesichtszüge aus einem Foto, auf dem sie als 14-Jährige in dem Film „The New World“ (2006) die Rolle der Pocahontas spielte. Anschließend habe er sein Design-Team angewiesen, diese Züge als Grundlage für die Figur Neytiri zu verwenden. Kilcher war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten erst 14 Jahre alt.
Die Klage beschreibt dies als „Ausbeutung einer jungen indigenen Frau“ und wirft Cameron und Disney vor, ihre Identität und kulturelles Erbe kommerziell genutzt zu haben, ohne sie zu entschädigen oder zu nennen. „Dieser Fall enthüllt, wie einer der mächtigsten Filmemacher Hollywoods die biometrische Identität und das kulturelle Erbe eines jungen indigenen Mädchens ausbeutete, um ein milliardenschweres Filmfranchise zu erschaffen – ohne ihre Zustimmung oder Entlohnung“, heißt es in der Klageschrift, wie NBC berichtet.
Die Anklage führt Beweise an, darunter Camerons erste Skizzen der Figur Neytiri sowie Interviews mit ihm und Mitgliedern seines Teams. In diesen Gesprächen wird explizit Kilcher als Inspiration für das Aussehen der Figur genannt. Der „Avatar“-Franchise hat weltweit fast 7 Milliarden US-Dollar an den Kinokassen eingespielt.
Kilcher betont, dass sie niemals in die Nutzung ihres Gesichts eingewilligt habe. Erst nach der Veröffentlichung des ersten „Avatar“-Films – der bis heute der erfolgreichste Film aller Zeiten ist – sei ihr klar geworden, dass sie Camerons Muse gewesen sei. Der Regisseur überreichte ihr damals eine gerahmte Skizze von Neytiri mit einer persönlichen Notiz: „Deine Schönheit war meine frühe Inspiration für Neytiri. Schade, dass du gerade einen anderen Film drehtest. Nächstes Mal.“
Dieser Vorfall soll sich 2010 ereignet haben, ein Jahr nach dem Kinostart von „Avatar“. Kilcher war zu diesem Zeitpunkt etwa 18 Jahre alt. Laut der Klage habe Camerons Team sie jedoch nie für die Rolle kontaktiert – obwohl die Schauspielerin Zoe Saldaña Neytiri in den Filmen verkörpert.
Erst im vergangenen Jahr sei Kilcher bewusst geworden, wie stark ihr Gesicht für die Figur verwendet wurde. In einem Interview hielt Cameron eine Skizze von Neytiri hoch und erklärte: „Die eigentliche Vorlage dafür war ein Foto in der LA Times – eine junge Schauspielerin namens Q’orianka Kilcher. Das hier ist tatsächlich ihr … Untergesicht. Sie hatte ein sehr interessantes Gesicht.“
Die Klage bezeichnet Camerons Vorgehen als „Diebstahl“ und beschreibt den Prozess der Erschaffung Neytiris als „wörtliche Transplantation der Gesichtszüge einer realen Teenagerin in eine Blockbuster-Figur“. Zudem wirft sie Cameron und Disney vor, gegen Gesetze zum Schutz vor Deepfakes zu verstoßen.
Hintergrund: Die Figur Neytiri und ihre Inspiration
- Neytiri ist eine der zentralen Figuren in James Camerons „Avatar“-Franchise und verkörpert die indigene Bevölkerung des fiktiven Mondes Pandora.
- Die Figur wurde von der Schauspielerin Zoe Saldaña gespielt, nicht von Kilcher.
- Cameron selbst bestätigte in Interviews, dass Kilchers Gesicht als Vorlage diente, ohne ihre Zustimmung einzuholen.
Reaktionen und rechtliche Folgen
Die Klage wirft grundsätzliche Fragen zur kommerziellen Nutzung von Identitäten auf, insbesondere im Zusammenhang mit indigenen Gemeinschaften. Kilcher fordert nicht nur finanzielle Entschädigung, sondern auch eine öffentliche Anerkennung ihrer Rolle als Inspiration für die Figur.
„Dieser Fall zeigt, wie Hollywood-Systeme indigene Menschen systematisch ausbeuten – selbst wenn sie sich als ‚sympathisch‘ gegenüber ihren Kämpfen präsentieren.“
Q’orianka Kilcher