Die Zukunft der umstrittenen Überwachungsbefugnis Section 702 des Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) bleibt ungewiss. Trotz der Kontrolle der Republikaner über beide Kammern des Kongresses und der überraschenden Unterstützung durch Präsident Donald Trump wurde die Regelung nicht wie erwartet dauerhaft verlängert. Stattdessen gilt sie nun nur noch bis zum 30. April – ein Zeichen für die anhaltenden Kontroversen um staatliche Überwachungspraktiken.

Zivilgesellschaftliche Gruppen und Datenschützer aus beiden politischen Lagern kämpfen weiterhin für eine Reform oder Abschaffung der Praxis, die die Privatsphäre von US-Bürgern gefährdet. Section 702, 2008 eingeführt, erlaubt die gezielte Überwachung von Kommunikation ausländischer Verdächtiger. Doch dabei werden zwangsläufig auch Daten und Nachrichten von US-Bürgern erfasst – ein Problem, das der Privacy and Civil Liberties Oversight Board in einem Bericht 2023 als „erhebliche Risiken für Privatsphäre und Bürgerrechte“ bezeichnete.

Besonders kritisch sind sogenannte „U.S. person queries“ und „Batch Queries“, bei denen mehrere Suchanfragen in einem einzigen Vorgang gebündelt werden. Der Bericht warnt zudem davor, dass die Überwachung oft auch Amerikaner „upstream“ von nominellen ausländischen Zielen erfasst – also bevor diese überhaupt als Verdächtige gelten.

Doch die Debatte um Section 702 ist keine rein parteipolitische Angelegenheit. Sowohl Präsident Joe Biden als auch sein Vorgänger Donald Trump unterstützen die Überwachungsbefugnis – trotz früherer Kritik. Trump, der 2016 noch forderte, FISA „abzuschaffen“, weil es „illegal gegen mich und viele andere eingesetzt“ worden sei, argumentiert heute:

„Ob man FISA mag oder nicht – es ist extrem wichtig für unsere Streitkräfte.“

Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. Progressive Abgeordnete wie Rep. Ro Khanna (D–Calif.) fordern eine klare Absage:

„Alle, die die Verfassung lieben, müssen gegen eine Verlängerung von FISA stimmen.“
Auch der libertär geprägte Rep. Thomas Massie (R–Ky.) pocht auf eine Reform:
„Keine FISA-Verlängerung ohne richterliche Genehmigung für US-Bürger!“

Die Geschichte von Section 702 zeigt, dass die Regelung zwar regelmäßig verlängert wird – oft aber nur knapp und unter massivem Druck von Datenschützern, die grundlegende Änderungen oder eine Abschaffung fordern. Selbst Trump räumt ein, dass das Gesetz gefährlich ist:

„Während Teile von FISA illegal und leider gegen mich im Rahmen der ‚Russia, Russia, Russia‘-Hexenjagd eingesetzt wurden – und vielleicht auch in Zukunft eingesetzt werden könnten – bin ich bereit, dieses Risiko als Bürger einzugehen, um das Richtige für unser Land zu tun.“

Doch nicht jeder hat Trumps juristisches Team oder dessen Vertrauen in den vermeintlichen Nutzen der Überwachung. Viele Bürgerrechtler sehen in der Praxis eine ernsthafte Bedrohung für demokratische Grundwerte – und fordern, dass der Kongress endlich handelt, bevor die nächste Verlängerung ansteht.

Quelle: Reason