MicroStrategy stockt Bitcoin-Bestände trotz Verkaufsplänen

MicroStrategy (NASDAQ: MSTR) hat in einer aktuellen Transaktion 535 Bitcoin für etwa 43 Millionen Dollar zu einem Durchschnittspreis von 80.340 Dollar pro Coin erworben. Dies geht aus einem am Montag eingereichten Formular 8-K hervor. Damit hält das Unternehmen nun insgesamt 818.869 Bitcoin, die für rund 61,86 Milliarden Dollar zu durchschnittlich 75.540 Dollar pro Bitcoin angeschafft wurden.

Die jüngste Akquisition markiert eine Fortsetzung der aggressiven Bitcoin-Strategie des Unternehmens – trotz früherer Aussagen von CEO Michael Saylor, der mögliche Verkäufe eines Teils der Bestände nicht ausschloss. Diese Ankündigung hatte bei Investoren für Diskussionen gesorgt, da MicroStrategy bisher als unerschütterlicher Bitcoin-Akkumulator galt.

Saylor: „Am Ende des Jahres mehr Bitcoin besitzen als am Anfang“

Auf die Skepsis reagierte Saylor umgehend: In einem Podcast-Interview erklärte er, dass das Unternehmen für jeden verkauften Bitcoin 10 bis 20 weitere kaufen werde. Sein Credo: „Man sollte ein Netto-Akkumulator von Bitcoin sein. Am Ende jedes Jahres sollte man mehr Bitcoin besitzen als zu Beginn.“

Die jüngste Kaufaktion unterstreicht, dass die Strategie der massiven Bitcoin-Akkumulation weiterhin Priorität hat. Der Hintergrund ist jedoch komplex: Im ersten Quartal 2026 verlor Bitcoin 23 % an Wert – von 87.500 auf 67.700 Dollar. Durch die Anwendung der neuen FASB-Bewertungsregeln (seit Januar 2025 verpflichtend) musste MicroStrategy seine gesamten Bitcoin-Bestände zum Marktwert bewerten. Dies führte zu einem unrealisierten Verlust von 12,54 Milliarden Dollar im Q1.

Besonders betroffen sind die über 434.000 Bitcoin, die zu Preisen über 80.000 Dollar gekauft wurden. Hier entstand ein unrealisierter Verlust von 7,6 Milliarden Dollar, verbunden mit einem deferred tax asset (latenter Steueranspruch) von 2,2 Milliarden Dollar bei einem effektiven Steuersatz von 29 %. Genau dieser Steueranspruch – und nicht etwa eine strategische Kehrtwende – erklärt Saylor’s Offenheit für mögliche Verkäufe.

Steueroptimierung als Hauptmotiv für potenzielle Verkäufe

Eine ähnliche Strategie verfolgte MicroStrategy bereits im Dezember 2022: Damals wurden 704 Bitcoin zu je 16.776 Dollar verkauft, um kurz darauf 810 Bitcoin zum gleichen Zweck zurückzukaufen – ein klassisches Tax-Loss-Harvesting, um Verluste mit früheren Gewinnen zu verrechnen.

CEO Phong Le stellte während der Q1-Earnings-Call klar: „Ich glaube an Mathematik statt Ideologie. Wenn der Verkauf von Bitcoin im Vergleich zum Verkauf von Aktien zur Auszahlung von Dividenden für unsere Bitcoin-pro-Aktie-Relation und unsere Aktionäre vorteilhafter ist, werden wir das tun.“

Das Unternehmen steht vor erheblichen finanziellen Verpflichtungen: Es trägt 8,2 Milliarden Dollar an wandelbaren Schulden und muss jährlich 1,5 Milliarden Dollar an Dividenden für seine perpetual Preferred Stocks (STRC) zahlen. Beide Faktoren erfordern liquide Mittel, die nicht immer durch Eigenkapitalemissionen zu günstigen Konditionen gedeckt werden können. Entscheidend ist dabei stets die Kennzahl Bitcoin pro Aktie – das Verhältnis der gehaltenen Bitcoin zur Anzahl der ausgegebenen Aktien.

Analysten prognostizieren Milliarden-Investitionen in 2026

JPMorgan-Analysten schätzen, dass MicroStrategy bei Beibehaltung des aktuellen Kaufvolumens im Jahr 2026 insgesamt rund 30 Milliarden Dollar in Bitcoin investieren könnte.

„MicroStrategy bleibt trotz aller Herausforderungen ein zentraler Akteur im Bitcoin-Ökosystem. Die Strategie des ‚Netto-Akkumulierens‘ steht weiterhin im Mittelpunkt – selbst wenn gelegentliche Verkäufe zur Steueroptimierung Teil der langfristigen Planung sind.“