Die vierfache Grand-Slam-Champion Naomi Osaka hat lange geglaubt, dass Erfolg bedeutet, alles anzunehmen, was sich bietet. Doch heute sieht sie das anders: „Erfolg bedeutet nicht, Ja zu sagen – sondern Grenzen zu setzen“, schreibt sie in einem persönlichen Essay für Fortune.

Als neue Botschafterin für die Kampagne „Mental Health Awareness Month“ des Nahrungsergänzungsmittelherstellers Olly spricht Osaka offen über ihre Erfahrungen mit mentaler Gesundheit, Selbstfürsorge und die Erwartungen, die an sie als Spitzensportlerin gestellt werden.

Der Wendepunkt: Rückzug von den French Open 2021

Ein prägender Moment für Osaka war ihr Rückzug von den French Open 2021. Damals entschied sie sich, sich auf ihre psychische Gesundheit zu konzentrieren – trotz des öffentlichen Drucks und der Kritik. „Dieser Schritt hat mir gezeigt, dass man nicht immer das tun muss, was andere von einem erwarten“, erklärt sie.

In einem früheren Essay für Time beschrieb Osaka, wie die Medien und das Turnier sie dazu drängten, ihre medizinische Vorgeschichte offenzulegen. „In den meisten Berufen wäre ein freier Tag akzeptiert – ohne dass man seine persönlichen Symptome preisgeben müsste“, kritisierte sie damals. „Es gibt klare Grenzen, die respektiert werden sollten.“

Mutterschaft und die Kunst des Nein-Sagens

Seit der Geburt ihrer Tochter 2023 hat Osaka gelernt, noch bewusster Grenzen zu setzen – nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihr Kind. „Es gibt diesen Mythos, dass Frauen alles schaffen müssen. Aber das ist kein erstrebenswertes Ziel“, sagt sie. „Man kann nicht jedem gerecht werden, ohne sich selbst zu verlieren. Manchmal ist Nein-Sagen die einfühlsamste Entscheidung.“

Von Selbstzweifeln zur Selbstfürsorge

Bereits 2019, nach ihrem Sieg bei den Australian Open mit nur 21 Jahren, spürte Osaka den steigenden Druck. „Jede Niederlage wurde zur Schlagzeile. Die Erwartungen wuchsen, und ich begann, meine Fähigkeiten infrage zu stellen“, erinnert sie sich. „Ich hatte Angst, die Freude am Tennis zu verlieren.“

Heute hört Osaka auf ihren Körper und Geist. „Als Profisportlerin kenne ich meinen Körper genau. Ich unterscheide zwischen normaler Müdigkeit und tiefer Erschöpfung – und handle entsprechend“, erklärt sie. Ihr Rat an andere: „Hört auf eure Grenzen. Erfolg ist kein Selbstzweck, sondern ein Marathon, bei dem man auch mal pausieren darf.“