Die Richter des US-Supreme Court haben in einer mündlichen Verhandlung am Montag beide Seiten scharf zu den verfassungsrechtlichen Bedenken bei Geofence-Warrants befragt. Der Fall Chatrie v. The United States könnte wegweisend für die Datenerhebung durch US-Behörden sein.
Hintergrund ist die Verurteilung von Okello Chatrie im Jahr 2019 wegen eines Bankraubs. Die Ermittler hatten von Google Standortdaten von Personen abgefragt, die sich zur Tatzeit in einem bestimmten Gebiet aufgehalten hatten. Die Frage: Darf der Staat auf solche Daten zugreifen, wenn Nutzer diese freiwillig teilen?
Konservative und liberale Richter zeigen Skepsis
Mehrere konservative Richter, darunter Oberster Richter John Roberts, hinterfragten, warum der Staat nicht auf Standortdaten zugreifen dürfe, die Nutzer freiwillig mit Dritten teilen. Adam Unikowsky, Anwalt des Klägers, argumentierte, dass dies auch den Zugriff auf E-Mails oder Kalenderdaten ermöglichen würde. Seitdem hat Google Standortdaten auf individuelle Geräte verlagert.
Auch liberale Richter wie Sonia Sotomayor äußerten Bedenken. Sie verwies auf den vierten Verfassungszusatz, der vor pauschalen Durchsuchungen schützt. Gleichzeitig warnte sie: Standortdaten begleiten Nutzer überall – eine gezielte Abfrage könnte immer in eine unzulässige Privatsphärenverletzung münden.
Breite Debatte über Datensammlung
Die Diskussion weitete sich aus, als die Regierung ihre Position verteidigte. Die Richter fragten, was E-Mails oder Kalenderdaten von anderen Daten unterscheide. Ein Vergleich: Dürfte die Polizei alle Schließfächer in einem Lagerhaus durchsuchen, um eine vermutete Waffe zu finden? Die Verhandlung dauerte ungewöhnlich lange – zwei Stunden. Ein Urteil wird voraussichtlich im Juni oder Juli erwartet.
Prognosen bleiben schwierig
Wie das Gericht entscheiden wird, ist schwer vorhersehbar. Nur Richter Samuel Alito deutete eine klare Haltung an:
„Ich verstehe nicht, warum wir diesen Fall überhaupt haben, außer dass mindestens vier von uns ihn angenommen haben.“Er bezweifelte, dass die Anhörung neue Erkenntnisse bringen werde. Orin Kerr, Rechtsprofessor an der Stanford University und Befürworter der Regierungsposition, geht davon aus, dass der Supreme Court Geofence-Warrants für rechtmäßig erklären könnte.
„Die Richter scheinen das grundsätzliche Argument Chatries zur Rechtmäßigkeit der Warrants abzulehnen.“