Washington, D.C. – Der Oberste Gerichtshof der USA hat mit seiner jüngsten Entscheidung im Fall Louisiana v. Callais einmal mehr gezeigt, wie er systematisch Rassismus in Amerika ignoriert. Kimberlé Crenshaw, renommierte Juraprofessorin an der Columbia University und UCLA, wirft dem Gericht vor, seine wahren Motive zu verschleiern.

Crenshaw argumentiert, dass die sechs konservativen Richter sehr wohl wissen, wie parteiische Wahlkreisgeometrie (Gerrymandering) insbesondere afroamerikanische Wähler benachteiligt. Dennoch würden sie diese Realität bewusst ausblenden. Die Entscheidung sei kein Einzelfall, sondern Teil einer gezielten konservativen Kampagne gegen affirmative Maßnahmen, Diversität, Gleichstellung und Inklusion – kurz: gegen jede Politik, die Rassismus in den USA anerkennt.

In ihrem neuen Memoir „Backtalker“ analysiert Crenshaw diese Entwicklungen und erklärt die Hintergründe ihrer bahnbrechenden Arbeit zu Critical Race Theory und Intersektionalität. Sie zeigt auf, wie historische und aktuelle politische Kontroversen die Bedeutung dieser Konzepte unterstreichen.

Die Entscheidung im Fall Louisiana v. Callais ist laut Crenshaw kein juristischer Irrtum, sondern eine bewusste politische Weichenstellung. Die konservative Mehrheit des Gerichts nutze ihre Macht, um Fortschritte in der Rassengerechtigkeit rückgängig zu machen. Dies gefährde nicht nur die politische Teilhabe von Minderheiten, sondern auch grundlegende demokratische Prinzipien.

Crenshaws Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die USA erneut über die Rolle von Rassismus in der Gesellschaft diskutieren. Ihre Analyse wirft die Frage auf, ob der Oberste Gerichtshof noch als Hüter der Verfassung oder vielmehr als Instrument konservativer Ideologie agiert.