Eine US-Bundesrichterin hat die Anwälte der Beklagtenseite in der Verleumdungsklage Coomer v. Lindell wegen wiederholter falscher juristischer Zitate mit einer Gesamtstrafe von 5.000 Dollar belegt. Die Entscheidung der Richterin Nina Wang (Bundesbezirksgericht Colorado) betrifft zwei separate Verstöße gegen die Berufsregeln Rule 11 während des Verfahrens.
Erster Verstoß: Falsche Zitate vor Prozessbeginn
Vor dem Prozess reichte der Kläger Eric Coomer („Dr. Coomer“) einen Antrag auf Motion in Limine ein. Die Verteidigung antwortete mit einem Schriftsatz, der laut Gericht „fast dreißig fehlerhafte Zitate“ enthielt. Bei einer Anhörung räumte der Anwalt der Verteidigung, Mr. Kachouroff, ein, dass er bei der Erstellung des Schriftsatzes künstliche Intelligenz (KI) genutzt hatte. Zudem gab er an, die Überprüfung der Zitate an seine Kollegin Jennifer DeMaster delegiert zu haben.
Das Gericht sah darin einen klaren Verstoß gegen Rule 11, die Anwälte verpflichtet, ihre Schriftsätze sorgfältig zu prüfen. Richterin Wang verhängte eine Strafe von 3.000 Dollar gegen Kachouroff und seine Kanzlei sowie eine weitere Strafe von 3.000 Dollar gegen DeMaster. Die Beklagten selbst wurden nicht bestraft.
Zweiter Verstoß: Falsche Berufung auf Präzedenzfall nach Prozessende
Nach dem Prozess reichte die Verteidigung weitere Schriftsätze ein, darunter eine Erwiderung auf den Antrag des Klägers, die punitive Schadensersatzforderung zu erhöhen. In diesem Dokument berief sich die Verteidigung auf den Fall Capital Solutions, LLC v. Konica Minolta Business Solutions USA, Inc. und argumentierte, dass die Höhe der punitiven Schadensersatzforderung durch die Seventh Amendment Reexamination Clause geschützt sei.
Das Gericht stellte jedoch fest, dass die Berufung auf diesen Fall zwei schwere Fehler enthielt: Zum einen handelte es sich bei Capital Solutions um eine Entscheidung eines Bezirksgerichts, nicht des Tenth Circuit, wie fälschlicherweise behauptet. Zum anderen stützte der Fall nicht die von der Verteidigung angeführte Rechtsauffassung. Richterin Wang betonte, dass eine sorgfältige Überprüfung diese Fehler hätte vermeiden müssen – zumal die Anwälte bereits wegen ähnlicher Verstöße bestraft worden waren.
Das Gericht forderte Kachouroff, DeMaster und die Beklagten auf, sich zu rechtfertigen, warum sie nicht erneut nach Rule 11 bestraft werden sollten.
Verteidigung räumt Fehler ein, bestreitet Notwendigkeit von Sanktionen
In ihrer Stellungnahme räumte die Verteidigung ein, dass ein „tatsächlicher Fehler“ vorlag – sowohl bei der falschen Einordnung des Falls als auch bei der Berufung auf ihn. Der Anwalt Kachouroff behauptete, die Fehler seien unbeabsichtigt und die von ihm zitierte Rechtsauffassung sei korrekt. Er betonte, dass er den Schriftsatz überprüft habe und dabei keine KI außer Westlaw für die Rechtsrecherche genutzt habe. Zudem argumentierte er, dass die Fehler „geringfügig“ seien und keine Sanktionen rechtfertigten, da das zugrundeliegende Rechtsprinzip korrekt dargestellt worden sei.
Hintergrund: Die Verleumdungsklage von Eric Coomer
Eric Coomer, ehemaliger Mitarbeiter von Dominion Voting Systems, verklagte MyPillow-Gründer Mike Lindell und dessen Unternehmen wegen Verleumdung. Coomer wirft Lindell vor, ihn in sozialen Medien und öffentlichen Auftritten fälschlicherweise beschuldigt zu haben, die Wahlergebnisse der Präsidentschaftswahl 2020 manipuliert zu haben. Der Prozess endete mit einem Teilurteil zugunsten des Klägers, einschließlich einer Strafe gegen Frankspeech.
Die aktuellen Sanktionen gegen die Anwälte unterstreichen die strengen Anforderungen an die Sorgfaltspflicht von Juristen in US-Gerichtsverfahren – insbesondere in hochumstrittenen Fällen mit politischer Brisanz.