Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers – und damit auch eines der verletzlichsten. Altersbedingter Verschleiß, Überlastung oder plötzliche Traumata können zu Schulterschmerzen führen, die Menschen jeden Alters betreffen. „Schulterschmerzen entstehen oft durch natürliche Abnutzung, aber auch durch akute Verletzungen“, erklärt Dr. Ilya Voloshin, Leiter der Schulter- und Ellenbogenabteilung an der Universität Rochester.
Voloshin gibt Tipps, wie man Schulterverletzungen vorbeugt und wann medizinische Hilfe nötig ist.
Häufige Ursachen für Schulterschmerzen
1. Verschleiß und Überlastung
Mit zunehmendem Alter werden Sehnen anfälliger für Verletzungen. Besonders bei wiederholten oder anstrengenden Bewegungen ohne ausreichende Vorbereitung kann es zu Entzündungen und Schmerzen kommen. Typische Auslöser sind:
- Wiederholte Überkopfbewegungen (z. B. Malern, Werfen)
- Schwere Lasten heben (z. B. Einkaufstaschen)
- Gartenarbeit
- Sportarten wie Tennis oder Golf
2. Nervenbedingte Schmerzen
Auch Probleme in anderen Körperregionen können Schulterschmerzen verursachen. So strahlt etwa bei einer Halswirbelsäulen-Arthrose oder einem Karpaltunnelsyndrom der Schmerz in die Schulter oder den Schulterblattbereich aus.
3. Alltägliche Gewohnheiten
Manchmal sind es einfache Verhaltensweisen, die auf Dauer zu Schulterproblemen führen:
- Schlafposition: Seitenschläfer belasten das Schultergelenk stärker. Eine andere Position kann den Druck reduzieren.
- Heben von Lasten: Falsches Heben (z. B. mit rundem Rücken) belastet die Schultern. Besser: In die Knie gehen und die Last nah am Körper tragen.
- Büroarbeit: Dauerhaftes Sitzen mit vorgebeugten Schultern verengt den Raum für die Rotatorenmanschette und kann zu schmerzhaften Einklemmungen führen. Eine aufrechte Haltung entlastet das Gelenk.
Häufige Schulterverletzungen und ihre Symptome
Rotatorenmanschetten-Verletzung
Die Rotatorenmanschette ist die häufigste Ursache für Schulterschmerzen. Fast jeder erlebt irgendwann Probleme in diesem Bereich. Typische Anzeichen sind:
- Scharfe Schmerzen beim seitlichen oder rückwärtigen Armheben
- Dumpfer, nächtlicher Schmerz, der sich verschlimmert, wenn man liegt
- Schmerzen bei Überkopfbewegungen
Besonders nachts kann der Schmerz stark sein, da die Schulter im Liegen weniger stabilisiert wird. Ein leicht erhöhtes Liegen oder ein Recliner kann helfen.
Frozen Shoulder (Frozen Shoulder)
Hier bildet sich Narbengewebe um das Gelenk, was zu steifen und extrem schmerzhaften Bewegungen führt. 80 % der Fälle heilen ohne Operation, betont Voloshin. „Bewegen Sie die Schulter weiter – auch bei Schmerzen!“ Physiotherapie und Kortison-Spritzen können die Heilung unterstützen.
Schulter-Impingement-Syndrom
Dabei kommt es zu einer Einklemmung von Sehnen oder Schleimbeuteln im Schultergelenk. Man unterscheidet zwei Formen:
- Externes Impingement: Tritt oberhalb des Schulterdachs auf, oft durch wiederholte Überkopfbewegungen.
- Internes Impingement: Betrifft vor allem Sportler wie Werfer oder Schwimmer.
Typische Symptome sind Schmerzen beim Heben des Arms und ein steifes Gefühl.
Wann zum Arzt?
Nicht jeder Schulterschmerz erfordert einen Arztbesuch. Bei folgenden Anzeichen sollten Sie jedoch professionelle Hilfe suchen:
- Starke Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- Unfähigkeit, den Arm zu bewegen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Arm
- Schmerzen, die trotz Schonung länger als zwei Wochen anhalten
- Deutliche Schwellung oder Blutergüsse
Voloshin rät: „Bewegung ist der Schlüssel – aber dosiert und angepasst an die Beschwerden.“