Privatisierung der Kernenergie in den USA: Ein gefährliches Experiment?

Während andere Länder wie China oder Frankreich die Kernenergie als staatliche Aufgabe behandeln, setzen die USA fast vollständig auf private Betreiber. Diese Privatisierung hat jedoch unerwünschte Nebenwirkungen: chronische Unterbesetzung, öffentliche Subventionen für private Gewinne und vor allem ernsthafte Sicherheitsfragen.

Eine wachsende Zahl von Kernenergie-Startups drängt auf den Markt – doch viele von ihnen verzichten freiwillig auf die Mitgliedschaft in der wichtigsten Sicherheitsorganisation der Branche. Wie das Nachrichtenportal E&E News berichtet, haben von neun neuen Kernenergie-Unternehmen nur eines die Mitgliedschaft im Institute of Nuclear Power Operations (INPO) beantragt.

INPO: Die unsichtbare Sicherheitsinstanz

Der INPO wurde 1979 nach der Teilschmelze in Three Mile Island gegründet. Als gemeinnützige Organisation führt er Inspektionen durch, gibt Sicherheitsrichtlinien vor und unterstützt Unternehmen bei der Schulung von Personal. Obwohl der INPO keine staatliche Behörde ist, gilt er als zentraler Akteur für die Sicherheit in der Kernenergiebranche.

Doch für viele Startups scheint die Mitgliedschaft im INPO ein unnötiger Kostenfaktor zu sein. Unternehmen wie Aalo Atomics (spezialisiert auf standardisierte Kernreaktoren) oder Antares Nuclear (Entwickler von Mikroreaktoren) setzen stattdessen auf schnelle Profite – auf Kosten der Sicherheit.

Regulatorische Lücken: Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Die Entscheidung der Startups, den INPO zu meiden, ist besonders brisant vor dem Hintergrund der Deregulierungspolitik unter Ex-Präsident Donald Trump. Dieser übertrug Teile der Aufsichtskompetenz vom staatlichen Nuclear Regulatory Commission (NRC) an den INPO – mit fatalen Folgen.

„Diese Unternehmen sind Geschäftsmodelle. Alles, was nicht direkt den Profit steigert, wird infrage gestellt.“
Scott Morris, Nuklearkonsultant und ehemaliger NRC-Beamter

Morris warnt vor den Konsequenzen: „Der NRC hat Teile seiner Regulierungsbefugnis an den INPO delegiert – insbesondere bei Betriebs- und Wartungsschulungen. Die beiden Institutionen sind nicht redundant, sondern ergänzen sich.“ Doch ohne verbindliche Mitgliedschaft im INPO fehlt vielen Startups der Anreiz, sich an Sicherheitsstandards zu halten.

Ein gefährliches Spiel mit der Atomkraft

Die Entwicklung wirft grundsätzliche Fragen auf: Kann eine Branche, die auf maximale Effizienz und Profitmaximierung setzt, gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards einhalten? Die Antwort scheint zunehmend „nein“ zu lauten. Während die USA ihre Kernenergie privatisieren, bleibt die Frage: Wer garantiert dann noch die Sicherheit?

Experten wie Morris fordern eine Rückkehr zu strengeren Regulierungen. Doch solange die Politik Deregulierung vorantreibt und Startups auf kurzfristige Gewinne setzen, bleibt das Risiko eines schweren Atomunfalls real.

Quelle: Futurism