Der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, hat Netflix am Mittwoch wegen mutmaßlicher Täuschung von Verbrauchern verklagt. Die Klage wurde beim Bezirksgericht Collin County eingereicht und wirft dem Streamingdienst vor, jahrelang ein „Verhaltensüberwachungssystem von enormem Ausmaß“ aufgebaut zu haben.

Laut Anklage hat Netflix Verbraucher bewusst darüber im Unklaren gelassen, wie detailliert das Unternehmen Nutzerdaten sammelt, das Sehverhalten verfolgt und Kinderkonten verwaltet. Gleichzeitig präsentierte sich Netflix als datenschutzfreundliche Alternative zu werbefinanzierten Tech-Konzernen wie Google und Facebook – eine Behauptung, die der texanische Generalstaatsanwalt als falsch bezeichnet.

Die Klage stützt sich unter anderem auf Aussagen von Netflix-CEO Reed Hastings, der in der Vergangenheit betonte, das Unternehmen habe „keine Absicht, Werbung zu monetarisieren“ und verkaufe keine Nutzerdaten. „Texaner vertrauten diesem Versprechen – doch Netflix brach es, indem es genau das System aufbaute, das Nutzer bezahlten, um ihm zu entkommen“, heißt es in der Klageschrift.

Die Vorwürfe umfassen zudem den Aufbau komplexer Datenpipelines, die täglich Milliarden von Nutzerereignissen erfassen – darunter, was Nutzer ansehen, suchen, pausieren, zurückspulen oder abbrechen, sowie Geräte- und Standortdaten. Texas wirft Netflix vor, diese Daten genutzt zu haben, um Algorithmen zu trainieren und später ein expandierendes Werbegeschäft zu unterstützen.

Besonders kritisiert wird Netflix’ Umgang mit Kinderprofilen. Die Klage behauptet, das Unternehmen habe Eltern vermittelt, Kinderprofile seien sichere, abgeschottete Bereiche – während gleichzeitig detaillierte Verhaltensdaten von Minderjährigen gesammelt wurden. Zudem seien Autoplay-Funktionen und Empfehlungssysteme gezielt darauf ausgelegt, insbesondere bei Kindern exzessives Anschauen („Binge-Watching“) und maximale Nutzerbindung zu fördern. Die Autoplay-Funktion wird in der Klage als „Dark Pattern“ bezeichnet, das Nutzer länger am Bildschirm halten und so mehr Daten generieren soll.

Ein weiterer Vorwurf betrifft die Zusammenarbeit von Netflix mit großen Werbe- und Datenfirmen wie Google Display Video 360, The Trade Desk, Experian und Acxiom. Diese Partnerschaften sollen gezielte Werbung und Identitätsabgleiche ermöglichen – obwohl Netflix jahrelang öffentlich Werbung kritisierte. Eine Stellungnahme von Netflix auf die Vorwürfe stand zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch aus.

Quelle: The Wrap