Schutz vor Straßen und Rodung: Die 'Roadless Rule' in Gefahr
Wenn von Nationalwäldern die Rede ist, denken die meisten an weite Landschaften im Westen der USA – Alaska, die Rocky Mountains oder den pazifischen Nordwesten. Doch auch im Osten des Landes gibt es Millionen Hektar geschützte Bundeswälder. Diese ökologisch wertvollen Gebiete, die seit Jahrzehnten ohne Straßen und Holzeinschlag bleiben, sind durch die sogenannte 'Roadless Rule' geschützt. Doch diese Regel steht nun vor dem Aus.
Hintergrund: Warum die 'Roadless Rule' eingeführt wurde
Die Roadless Area Conservation Rule, 2001 unter der Clinton-Regierung verabschiedet, entstand aus der Erkenntnis, dass das US-Forstministerium mehr Straßen gebaut hatte, als es instand halten konnte. Viele dieser maroden Straßen verschmutzten Bäche, zerschnitten Lebensräume und gefährdeten die Trinkwasserversorgung – selbst aus Sicht der eigenen Wissenschaftler alarmierend. Die Regel verbietet seitdem den Bau von Straßen und Holzeinschlag in fast 60 Millionen Hektar unberührter Nationalwälder in 39 Bundesstaaten.
Besonders im dicht besiedelten Osten der USA bieten diese Gebiete seltene Rückzugsräume für Natur und Erholungssuchende. Doch die Trump-Administration plant nun, die Regel abzuschaffen und die Wälder für Holzeinschlag und Bergbau freizugeben. Die Zukunft dieser Ökosysteme – und der Gemeinden, die von ihnen abhängen – ist damit ungewiss.
Begründung der Regierung: Mehr Flexibilität für den Waldschutz?
Das Landwirtschaftsministerium, zu dem das Forstministerium gehört, argumentiert, die 'Roadless Rule' behindere die Bekämpfung von Waldbränden, den Zugang für Feuerwehrleute und die Förderung der Waldgesundheit. Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins bezeichnete die Regel als "absurde Blockade" und "übermäßig restriktiv". Die Aufhebung der Regel würde der Forstbehörde mehr Spielraum geben, Wälder zu schützen und ländliche Wirtschaftszweige zu stärken, so die Argumentation.
Wissenschaftler und Naturschützer widersprechen
Konservativen und Wissenschaftlern zufolge ignoriert die Regierung dabei wissenschaftliche Erkenntnisse und die Bedeutung dieser vergleichsweise unberührten Waldgebiete. Diese spielen eine zentrale Rolle für:
- den Schutz bedrohter Tierarten,
- die Erhaltung der Trinkwasserversorgung für Millionen Menschen,
- die Speicherung von CO₂ zur Bekämpfung des Klimawandels,
- die Bereitstellung von Erholungsräumen für die Bevölkerung.
"Roadless-Gebiete sind eine endliche Ressource. Sie sind unsere letzten und besten Nationalwaldflächen."
Selbst ehemalige Leiter des US-Forstministeriums lehnen die geplante Aufhebung ab. Vier ehemalige Forstminister mit insgesamt 150 Jahren Berufserfahrung warnten die Regierung eindringlich:
"Den Schutz dieser kostbaren Flächen, die allen Bürgern gehören – arm oder reich – zu entfernen, wäre ein irreparabler Verlust."
Besonderer Schutzbedarf im Osten der USA
Die 'Roadless Rule' sichert etwa ein Drittel aller Nationalwaldflächen. 95 Prozent davon liegen in zehn westlichen Bundesstaaten, wo große, zusammenhängende Wälder die Regel sind. Östlich des Mississippi hingegen schützt die Regel kleinere, besonders verletzliche Flächen:
- Im Shawnee National Forest (Illinois) sind nur 4.000 Hektar unberührt.
- Im Südosten der USA beläuft sich die Gesamtfläche auf rund 416.000 Hektar.
- 12 westliche Bundesstaaten halten 96 Prozent aller 'Roadless'-Flächen.
Quellen: Congressional Research Service; USDA Forest Service