Die US-Politik ist besessen von der Idee der 'Glaubwürdigkeit'. In seiner Anhörung vor dem Senat bezeichnete Außenminister Marco Rubio seine Philosophie als 'Frieden durch Stärke durch die Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit der amerikanischen Abschreckung'. Als Präsident Donald Trump 2019 versuchte, den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro mit Spezialkräften festzunehmen, erklärte Vizepräsident J.D. Vance: 'Maduro ist der nächste, der feststellen muss, dass Präsident Trump sagt, was er meint.' Verteidigungsminister Pete Hegseth äußerte kürzlich ähnlich: 'Der Iran lernt auf die harte Tour, dass Präsident Trump sagt, was er meint.'

Ironisch dabei: Trump selbst hält sich selten an seine eigenen Worte. Zwischen seinen Drohgebärden gegen Venezuela und dem Iran drohte er Dänemark, die dänische Insel Grönland 'auf die leichte oder die harte Tour' zu übernehmen. Am 20. Januar betonte er in einer Tirade über Grönland: 'Es gibt kein Zurück.' Einen Tag später einigte er sich jedoch auf ein 'Rahmenabkommen' für erweiterte US-Militärrechte auf der Insel. Der Vorfall war schnell vergessen – wie so viele seiner früheren Drohungen, etwa globale Zölle zu verhängen.

Im aktuellen Konflikt im Nahen Osten setzte und verlängerte Trump mehrfach Fristen für den Iran, die Straße von Hormuz zu öffnen. Doch hinter diesem scheinbaren Chaos steckt Methode. 'Manchmal lohnt es sich, ein bisschen wild zu sein', schrieb Trump 1987 in seinem Buch Die Kunst des Deals. Er erklärte, er erzeuge gezielt Angst, um seinen Verhandlungspartnern dann eine für ihn günstige Alternative anzubieten. Doch diese Taktik untergräbt Glaubwürdigkeit – denn sie basiert auf der Diskrepanz zwischen Worten und tatsächlichen Absichten.

Ein häufiges Argument seiner Unterstützer, geprägt von der Journalistin Salena Zito, lautet: Man solle Trump 'ernst nehmen, nicht wörtlich'. Doch wenn das so ist, warum dann überhaupt von 'Glaubwürdigkeit' sprechen?

Das Problem ist nicht neu. Schon in den 1970er-Jahren betonte Präsident Richard Nixon und sein Außenminister Henry Kissinger die Bedeutung amerikanischer 'Glaubwürdigkeit' – während sie gleichzeitig die 'Verrückte-Theorie' vertraten. Diese besagt, dass unberechenbares und irrationales Verhalten Gegner einschüchtern soll. Doch genau diese Widersprüchlichkeit prägt bis heute die Rhetorik vieler Falken in der US-Politik.

Für sie bedeutet 'Glaubwürdigkeit' oft nicht Zuverlässigkeit oder Ehrlichkeit, sondern schlicht 'hart aussehen' – selbst wenn dies auf Kosten der Glaubwürdigkeit geht. Die Ära Nixon zeigt, was passiert, wenn die Strategie der Einschüchterung scheitert. Obwohl beide wussten, dass der Vietnamkrieg nicht zu gewinnen war, fürchtete Kissinger, ein plötzlicher Rückzug könne die USA 'glaubwürdig schwach' wirken lassen. Stattdessen verlängerte er den Prozess des Scheiterns. Nixon spielte den 'Verrückten', schwankte zwischen diplomatischen Angeboten und nuklearen Drohungen, während er gleichzeitig die Bombardierung Nordvietnams eskalieren und heimlich Kambodscha angreifen ließ. Diese Eskalationen kosteten Zehntausende das Leben – und brachten den USA keine neue Glaubwürdigkeit ein, sondern nur mehr Blutvergießen und internationale Verachtung.

Quelle: Reason