In einem Live-Interview bei CNBCs Squawk Box wurde Präsident Donald Trump kürzlich nach seiner Reaktion auf Berichte gefragt, dass Unternehmen wie Apple und Amazon keine Rückforderungen für illegal erhobene Zölle gestellt haben. Die Zölle waren vom Supreme Court als verfassungswidrig eingestuft worden. Trumps Antwort war eindeutig: „Ich halte das für brillant, wenn sie das nicht tun. Und wenn sie es nicht tun, werde ich mich daran erinnern.“

Diese Aussage war keine bloße Verhandlungsstrategie – sie war eine offene Drohung. Unternehmen, die auf rechtlich zustehende Rückerstattungen verzichten, signalisieren damit symbolisch Loyalität. Doch die Konsequenzen könnten schwerwiegend sein: Die Regierung hat seit Beginn der Zölle rund 166 Milliarden US-Dollar von Importeuren eingezogen – Gelder, die nach höchstrichterlicher Entscheidung hätten zurückgezahlt werden müssen. Wer nun auf sein Recht verzichtet, stellt sich damit gegen die Justiz und riskiert politische Vergeltung.

Warum Unternehmen Widerstand leisten müssen

Die Drohung ist kein Einzelfall: Die Trump-Administration mischt sich regelmäßig in die Wirtschaft ein – von Fusionen über Regulierungen bis hin zu Rettungspaketen. Doch gerade in diesem Fall sollten Unternehmen klar Position beziehen. Denn ein Verzicht auf Rückforderungen hätte fatale Folgen:

  • Verstoß gegen Treuepflichten: Vorstände und Führungskräfte börsennotierter Unternehmen haben eine fiduziarische Pflicht gegenüber ihren Aktionären. Millionen oder sogar Milliarden Dollar einfach abzuschreiben, widerspricht dieser Verantwortung.
  • Vertrauensverlust bei Kunden: Viele Unternehmen haben die Zollkosten an Verbraucher weitergegeben. Wer nun auf Rückforderungen verzichtet, gibt damit zu, Preise erhöht zu haben – ohne die Mittel zurückzufordern, weil der Präsident es „beeindruckend“ findet.
  • Reputationsrisiko: Marken, die sich politischer Erpressung beugen, riskieren einen Imageschaden. Kunden und Investoren erwarten heute Transparenz und rechtliche Konsequenz.

Ein positives Gegenbeispiel: Costco

Während andere Unternehmen zögern, geht Costco bereits juristisch gegen die Zölle vor. Schon im November 2025 reichte die Einzelhandelskette eine Klage ein, um die Rückerstattung aller gezahlten Zölle inklusive Zinsen zu erwirken. Die Unternehmensführung betont, dass die Ersparnisse an Kunden weitergegeben werden sollen – etwa durch „niedrigere Preise und bessere Angebote“. Zwar bleiben Details noch offen, doch die klare Haltung von Costco setzt ein starkes Signal: Rechtliche Ansprüche durchzusetzen, ist keine Frage der Loyalität, sondern der Verantwortung.

Fazit: Rechtliche Pflichten gehen vor politische Loyalität

Unternehmen stehen vor einer einfachen Entscheidung: Entweder sie akzeptieren die verfassungswidrigen Zölle als gegeben und verzichten auf ihr Recht – oder sie setzen sich für eine Rückerstattung ein und riskieren politische Konsequenzen. Die klügere Wahl ist klar: Rechtliche Ansprüche geltend zu machen, ist nicht nur legitim, sondern auch im Sinne der Aktionäre und Kunden. Wer sich aus Angst vor politischen Repressalien beugt, handelt fahrlässig – sowohl rechtlich als auch wirtschaftlich.