Nach 71 Tagen Streik bleibt die Writers Guild of America West (WGAW) in einer erbitterten Auseinandersetzung mit der Writers Guild Staff Union (WGSU) verhaftet. Wie aus einem internen Schreiben hervorgeht, das TheWrap einsehen konnte, lehnte die WGAW ein jüngst unterbreitetes Gegenangebot der WGSU ab. Dieses hatte die Forderung enthalten, Kündigungs- und Streikklauseln nach dem Vorbild der Writers Guild of America East zu übernehmen sowie Dienstjahre bei Beförderungen und Entlassungen stärker zu berücksichtigen.
Die WGSU kritisierte in ihrem Memo, dass das Angebot der WGAW nicht den rechtlichen Anforderungen eines „besten, letzten und endgültigen Angebots“ entspreche. Ein solches Angebot setze voraus, dass beide Seiten nach ernsthaften Verhandlungen in einer echten Pattsituation stecken und weitere Gespräche aussichtslos erscheinen. Die Gewerkschaft kündigte an, am Mittwochabend über das weitere Vorgehen zu beraten.
Die WGAW reagierte ihrerseits mit scharfer Kritik an den Streikenden. In einer E-Mail an die Mitglieder warf die Gewerkschaftsführung den WGSU-Mitgliedern vor, während der dreiwöchigen Vertragsverhandlungen mit der Alliance of Motion Picture and Television Producers (AMPTP) versucht zu haben, Mitglieder des Verhandlungsteams einzuschüchtern. Konkrete Vorwürfe umfassen aggressive Einschüchterungsversuche, darunter das Schubsen eines Anwalts vor dem SAG-AFTRA-Hauptquartier, wo die MBA-Verhandlungen stattfanden. Zudem seien Proteste vor dem Privathaus der geschäftsführenden Direktorin der WGAW, Ellen Stutzman, organisiert worden.
Die WGAW bezeichnete diese Aktionen als „unrechtmäßig und inakzeptabel“, insbesondere die Hausproteste. Rechtlich seien viele dieser Handlungen nicht durch das Arbeitsrecht gedeckt, einige sogar illegal. Die Gewerkschaft betonte, dass solche Methoden nicht dem traditionellen Verhalten von Autoren während WGA-Streiks entsprächen.
Hinsichtlich der Forderungen der WGSU zeigte sich die WGAW ebenfalls unnachgiebig. So lehnte sie die Forderung nach einem Streikrecht bei vermuteten unfairen Arbeitsbedingungen ab – ein Vorwurf, den die WGSU der WGAW während der Verhandlungen gemacht hatte. Zudem lehnte die Gewerkschaftsführung das Ansinnen ab, Beförderungen und Entlassungen ausschließlich nach Seniorität zu regeln. „Unser Ziel ist es, die besten Mitarbeiter in jeder Position zu beschäftigen – unabhängig von der Beschäftigungsdauer“, heißt es in dem Schreiben. Ein reines Senioritätsprinzip passe nicht zur WGAW, die 18 verschiedene Abteilungen mit unterschiedlichen Anforderungen umfasse.