Die US-Bankenlobby führt einen aggressiven Lobbyingfeldzug gegen den CLARITY Act, während der Senat eine beschleunigte Verabschiedung des Gesetzes vor dem 4. Juli anstrebt. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht der Digital Asset Market Clarity Act, ein umfassender Regulierungsrahmen für Kryptowährungen, der im Juli 2025 mit breiter Unterstützung des Repräsentantenhauses verabschiedet wurde.
Seit Monaten blockiert der Senat jedoch eine zentrale Bestimmung des Gesetzes: die Regulierung von verzinslichen Stablecoins und die Frage, ob digitale Vermögenswerte Zinsen für Kunden abwerfen dürfen. Obwohl ein kürzlicher Kompromiss der beiden Senatoren Thom Tillis (Republikaner) und Angela Alsobrooks (Demokratin) die Blockade lösen sollte, lehnt die Bankenbranche die vorgeschlagene Formulierung nun öffentlich ab. Sie argumentiert, die Regelung gefährde das Fundament der lokalen Kreditvergabe und riskiere massive Kapitalabflüsse.
Trotz des Widerstands zeigen sich die Befürworter des Gesetzes im Senat zuversichtlich. Mit der erwarteten Unterstützung der Trump-Administration halten die Verhandlungsführer an der Kompromisslinie fest. Die kommende Ausschussabstimmung in der Woche ab dem 11. Mai könnte den Weg für eine schnelle Verabschiedung ebnen.
Der Streit um verzinsliche Stablecoins und die Gefahr von Einlagenabflüssen
Im Kern geht es um die Frage, wie der CLARITY Act verzinsliche Stablecoins reguliert. Eine Allianz großer Bankenverbände – darunter die American Bankers Association, das Bank Policy Institute, die Consumer Bankers Association, das Financial Services Forum und die Independent Community Bankers of America – kritisierte diese Woche die von Tillis und Alsobrooks ausgearbeitete Fassung. Zwar begrüßten die Banken das Ziel, direkte Zinszahlungen auf Stablecoins zu verbieten, doch die aktuelle Formulierung des Section 404 enthalte ihrer Ansicht nach gefährliche Schlupflöcher.
Die Verbände warnen, dass die Regelung es Krypto-Börsen und Vermittlern weiterhin ermögliche, Belohnungen über Mitgliedschaftsprogramme auszuschütten – solange diese nicht als klassische Bankzinsen berechnet oder verteilt werden. Für die traditionelle Finanzbranche sei dies jedoch ein „Unterschied ohne Unterschied“. Die Verbände befürchten, dass Krypto-Firmen durch die Berechnung von Belohnungen basierend auf Kundendauer, Kontostand und -alter gezielt Anreize für das Halten von Stablecoins schaffen. Diese idle funds seien jedoch essenziell für die Kreditvergabe an Verbraucher, kleine Unternehmen und die Landwirtschaft.
Laut internen Berechnungen der Allianz könnte die wachsende Attraktivität verzinslicher Stablecoins bis zu 20 % der verfügbaren Liquidität aus dem traditionellen Bankensystem abziehen. Dies würde die Kreditvergabe spürbar einschränken. Gleichzeitig deutet die Marktanalyse auf wachsende Spannungen innerhalb der Finanzbranche hin: Während große Retail-Banken und Gemeinschaftsbanken den Kompromiss vehement ablehnen, zeigen sich Institute ohne große Einlagenbasis vorsichtig offen für den Tillis-Alsobrooks-Entwurf.
Senat bleibt bei Kompromiss – Bankenlobby unter Druck
Angesichts der drohenden Blockade durch die Bankenlobby wehren sich die Senatoren gegen die Forderungen. Thom Tillis, der die Stablecoin-Regelung maßgeblich vorantrieb, verteidigte den Kompromiss als ausgewogenen Kompromiss, der gezielt die Gefahr von Einlagenabflüssen bekämpfe, ohne Innovationen zu ersticken. Tillis betonte, die Bankenbranche sei nicht überrascht worden, da traditionelle Finanzakteure frühzeitig in die Verhandlungen eingebunden waren.
Die kommende Ausschussabstimmung markiert einen entscheidenden Moment für die Zukunft der Krypto-Regulierung in den USA. Sollte der Kompromiss angenommen werden, könnte der CLARITY Act noch vor dem Unabhängigkeitstag in Kraft treten – trotz des massiven Widerstands der Bankenlobby.