Die US-Gleichstellungsbehörde EEOC hat eine Klage gegen die New York Times eingereicht. Der Vorwurf: Die Zeitung habe einen gut qualifizierten weißen Mann bei einer Beförderung aufgrund seiner Hautfarbe und seines Geschlechts benachteiligt. Der betroffene Mitarbeiter, ein erfahrener Redakteur, bewarb sich auf die Position des stellvertretenden Immobilienredakteurs – und wurde nicht einmal zum finalen Vorstellungsgespräch eingeladen.
Die EEOC argumentiert, dass der Bewerber trotz seiner langjährigen Erfahrung in der Immobilienberichterstattung übergangen wurde. Stattdessen erhielten vier andere Kandidaten – darunter eine weiße Frau, ein schwarzer Mann, eine asiatische Frau und eine Frau mit gemischter Herkunft – die Chance auf die Stelle. Die Klage wirft der Zeitung vor, dass die ausgewählte Bewerberin, eine Frau mit gemischter Herkunft, nicht einmal die geforderten Qualifikationen für die Position erfüllte. Zudem soll die zuständige Führungskraft bereits vor dem Vorstellungsgespräch beschlossen haben, sie einzustellen.
Die New York Times wies die Vorwürfe in einer Stellungnahme zurück. „Die politisch motivierten Anschuldigungen der EEOC unter der Trump-Administration werden kategorisch abgelehnt“, erklärte Sprecherin Danielle Rhoades Ha. Die Zeitung betonte, dass ihre Personalentscheidungen ausschließlich auf Leistung und Qualifikation basierten. „Wir werden uns energisch gegen diese Anschuldigungen verteidigen“, so Ha.
Die Klage gewinnt jedoch an Brisanz, da sie mit internen Dokumenten der New York Times untermauert wird. Die Zeitung hatte 2021 ein internes Papier mit dem Titel „A Call to Action“ veröffentlicht, in dem sie sich verpflichtete, die Führungsebene diverser zu gestalten. Dort heißt es unter anderem:
„Menschen mit Migrationshintergrund – insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund – sind in der Führungsebene weiterhin deutlich unterrepräsentiert.“
Die Zeitung kündigte an, Führungskräfte danach zu bewerten, wie gut sie „Pfade für eine vielfältige Gruppe von Stellvertretern schaffen“. Konkret sollte der Anteil von Frauen mit Migrationshintergrund in Führungspositionen erhöht werden – „unter Ausschluss von weißen und nicht spezifizierten Ethnien“.
Kritiker sehen in der Klage einen Beleg dafür, dass die New York Times ihre eigenen Diversitätsziele über die Qualifikation von Bewerbern stellt. Die EEOC stützt sich auf interne E-Mails und Dokumente, die nahelegen, dass die Zeitung gezielt Minderheiten und Frauen fördern wollte – selbst wenn dies zu Lasten anderer Bewerber ging. Die Klage könnte weitreichende Konsequenzen für die Medienbranche haben, in der Diversitätsdebatten seit Jahren eine zentrale Rolle spielen.