Entwickler fordern Mitsprache und faire Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen in der Spielebranche stehen seit Jahren in der Kritik. Massive Entlassungen, Rückkehrpflichten ins Büro und der Einsatz von KI werfen Fragen nach Arbeitsplatzsicherheit und Kreativität auf. Jetzt formiert sich Widerstand: Eine Gruppe von Entwicklern des digitalen Sammelkartenspiels Magic: The Gathering Arena hat die Gründung einer Gewerkschaft angekündigt.
Die Initiative, genannt United Wizards of the Coast – CWA, besteht aus über 100 Mitarbeitern des Studios Wizards of the Coast (WOTC), einer Tochtergesellschaft von Hasbro. Die Gruppe hat bereits eine überwältigende Mehrheit der Beschäftigten hinter sich und fordert die freiwillige Anerkennung der Gewerkschaft durch die Unternehmensführung.
Forderungen: Schutz vor KI, faire Löhne und Mitsprache
Die Entwickler fordern unter anderem:
- Schutz vor generativer KI: Vermeidung von Jobverlusten durch Automatisierung
- Sicherheit vor Entlassungen: Transparente Kriterien und faire Abfindungen
- Flexibles Arbeiten: Beibehaltung von Remote-Optionen ohne Standortzwang
- Lebenslöhne: Gehälter, die ein würdevolles Leben ermöglichen
„Bei Wizards organisieren wir uns, um Mitsprache bei Entlassungen zu haben, Verantwortung in der gesamten Führungsebene einzufordern und Löhne, die ein Leben ermöglichen“, erklärt Damien Wilson, Senior Software Development Engineer bei Magic: The Gathering Arena und Mitglied der neuen Gewerkschaft. „Ich bin hoffnungsvoll, was wir hier aufbauen können – und gleichzeitig realistisch, warum es notwendig ist.“
Unternehmen steht vor Entscheidung
Sollte WOTC die Gewerkschaft nicht freiwillig anerkennen, hat die Gruppe bereits eine Wahlpetition beim National Labor Relations Board (NLRB) eingereicht. Die Frist für eine freiwillige Anerkennung endet am 1. Mai. Die Entwickler betonen, dass sie eine schnelle Lösung anstreben und im Falle einer Zusage eine unabhängige Überprüfung ihrer Mehrheitsunterstützung durchführen würden.
„Wir würden es bevorzugen, wenn das Unternehmen freiwillig mit uns zusammenarbeitet“, heißt es in einem Schreiben an die Führungsebene. „Gleichzeitig haben wir eine Wahlpetition eingereicht, um eine zeitnahe Lösung für die Anerkennung unserer Gewerkschaft zu gewährleisten.“
Branchenweite Bewegung für bessere Arbeitsbedingungen
Die Initiative bei WOTC ist Teil einer wachsenden Bewegung in der Spielebranche. Erst 2023 gründete sich die United Videogame Workers-CWA, eine branchenweite Gewerkschaft mit über 600 Mitgliedern in den USA und Kanada. Die Forderungen der Entwickler spiegeln die Herausforderungen der letzten Jahre wider:
- 2023: Hasbro entließ weltweit rund 1.000 Mitarbeiter
- 2024: WOTC strich etwa 30 Stellen
- Zunehmende Rückkehrpflichten ins Büro, die Remote-Mitarbeiter zum Umzug zwangen
Die Entwickler von United Wizards of the Coast – CWA betonen in ihrem Schreiben:
„Wir bauen die Spielebranche, die wir uns für die Welt wünschen.“
Ausblick: Nächste Schritte
Die nächsten Wochen werden entscheidend sein. Entweder erkennt WOTC die Gewerkschaft freiwillig an – oder die Mitarbeiter stimmen in einer offiziellen Wahl über die Anerkennung ab. Sollte die Gewerkschaft bestätigt werden, könnte dies ein Präzedenzfall für andere Studios in der Branche sein.