Am 29. April 2026 fällte der Oberste Gerichtshof der USA das Urteil im Fall Callais. Noch am selben Tag beantragten die nicht-afroamerikanischen Kläger die sofortige Verkündung des Urteils. Dieser Schritt war angesichts der laufenden Wahlen in Louisiana und der damit verbundenen Dringlichkeit nachvollziehbar. Richter Alito forderte eine Stellungnahme bis zum 30. April ein, die von der NAACP eingereicht wurde.

Experten hatten zuvor empfohlen, parallel einen Antrag auf Neuprüfung einzureichen. Zwar sieht die Prozessordnung eine Frist von 25 Tagen für solche Anträge vor, doch in einem Eilverfahren wäre eine sofortige Einreichung strategisch sinnvoll gewesen. Die NAACP unterließ dies jedoch und überließ der Gegenseite die Initiative.

Die Robinson-Beschwerdeführer lehnten den Antrag auf beschleunigte Urteilsverkündung ab und verwiesen auf die Möglichkeit, innerhalb der regulären Frist einen Antrag auf Neuprüfung zu stellen. Dabei beriefen sie sich auf Regel 44.1 des Supreme Court, die eine 25-tägige Frist für Revisionsanträge vorsieht. Eine solche Verzögerungstaktik wäre jedoch in einem Notfallverfahren kaum vertretbar gewesen.

Heute hat die NAACP offiziell beantragt, das Urteil zurückzunehmen, um die volle Frist für einen Revisionsantrag ausschöpfen zu können. Begründet wird dies damit, dass die Gegenseite in ihrer Stellungnahme ausdrücklich die Absicht zur Einreichung eines Neuprüfungsantrags angekündigt habe. Dennoch erscheint eine Rücknahme des Urteils unwahrscheinlich, da das Verfahren bereits in der unteren Instanz fortgesetzt wird.

Richterin Jackson argumentierte gegen die sofortige Urteilsverkündung, fand damit jedoch keine Unterstützung. Eine Neuprüfung des Falls scheint daher kaum Aussicht auf Erfolg zu haben.

Quelle: Reason