Weniger als die Hälfte aller Studien, die mit Mitteln der US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) finanziert werden, analysieren oder berichten ihre Daten nach Geschlecht. Dies geht aus einer aktuellen Untersuchung hervor. Die fehlende geschlechtsspezifische Auswertung erschwert es, die Ergebnisse korrekt für Männer und Frauen einzuordnen.
Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte das NIH Richtlinien zur Förderung geschlechtergerechter Forschung eingeführt. Damals wurde die Erwartung formuliert, dass bei der Planung, Durchführung und Auswertung von Studien das biologische Geschlecht als Variable (Sex as a Biological Variable, SABV) berücksichtigt werden soll. Die Vorgaben sind jedoch nicht verbindlich. Es wird zwar empfohlen, geschlechtsspezifische Unterschiede zu prüfen, eine verpflichtende Analyse der Ergebnisse ist jedoch nicht vorgesehen.
Unzureichende Umsetzung der NIH-Richtlinien
Die Studie zeigt, dass die Umsetzung der NIH-Richtlinien in der Praxis nur langsam voranschreitet. Trotz der klaren Empfehlungen zur geschlechtergerechten Forschung analysieren viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Daten nicht nach Geschlecht. Dies führt dazu, dass wichtige Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede in der Medizin und Biologie verloren gehen.
Die Forscher hinter der Studie betonen, dass eine unvollständige Berichterstattung die Vergleichbarkeit von Studien einschränkt und potenziell zu falschen Schlussfolgerungen führen kann. Besonders problematisch ist dies in Bereichen wie der Pharmakologie oder der klinischen Forschung, wo geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wirkung von Medikamenten oder Therapien entscheidend sein können.
Forderungen nach strengeren Vorgaben
Die Autoren der Studie fordern das NIH auf, die Richtlinien zu verschärfen und eine verbindliche Analyse von Geschlechterunterschieden vorzuschreiben. Nur so könne sichergestellt werden, dass Forschungsergebnisse für alle Geschlechter gleichermaßen relevant sind. Bislang bleibt die Umsetzung jedoch freiwillig, was zu einer ungleichen Berücksichtigung von Geschlechteraspekten in der Forschung führt.
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Unterschiede in der Forschung stärker zu berücksichtigen. Eine bessere Umsetzung der NIH-Richtlinien könnte dazu beitragen, die Qualität und Relevanz medizinischer Forschung zu verbessern und sicherzustellen, dass Therapien und Medikamente für alle Geschlechter gleichermaßen wirksam und sicher sind.