Ein scheinbar unlösbares mathematisches Rätsel, das seit über 60 Jahren selbst die klügsten Köpfe der Welt vor Rätsel stellte, könnte nun dank künstlicher Intelligenz geknackt worden sein. Liam Price, ein 23-jähriger Student ohne fortgeschrittenen Abschluss in Mathematik, präsentierte kürzlich eine Lösung für eines der sogenannten Erdős-Probleme – und das, indem er einfach die KI ChatGPT nach einer Antwort fragte.

Die sogenannten Erdős-Probleme stammen vom ungarischen Mathematiker Paul Erdős und gelten als extrem komplex. Einige dieser Vermutungen haben selbst renommierte Mathematiker jahrzehntelang beschäftigt. Price postete seine Lösung auf der Plattform erdosproblems.com, und Experten zeigen sich beeindruckt.

Unter ihnen ist Terence Tao, Professor an der University of California, Los Angeles und einer der führenden Stimmen in der Bewertung von KI-Lösungen für mathematische Probleme. Er bestätigt, dass Price’ Lösung keine bekannte Methode verwendet, sondern einen völlig unerwarteten Ansatz wählt. Während andere KI-Lösungen oft nur bereits existierende, aber wenig bekannte Beweise reproduzierten, scheint ChatGPT hier tatsächlich neues Terrain zu betreten.

„Die meisten KI-Lösungen für Erdős-Probleme basieren darauf, dass die KI eine bereits bestehende, aber wenig bekannte Lösung findet oder einen Beweis liefert, der sich als fehlerhaft erweist“, erklärt Tao. „Doch in diesem Fall hat die KI eine völlig neue Herangehensweise gewählt, die niemand zuvor in Betracht gezogen hat.“

Allerdings war die Rohfassung des KI-Beweises nicht perfekt. Jared Lichtman, Mathematiker an der Stanford University, betont, dass ein menschlicher Experte nötig war, um die Lösung zu verfeinern und zu verstehen. „Der Rohoutput von ChatGPT war tatsächlich sehr schlecht strukturiert“, so Lichtman. „Erst durch die Nachbearbeitung eines Fachmanns wurde daraus ein gültiger Beweis.“

Ein Durchbruch mit Einschränkungen

Trotz des vielversprechenden Ergebnisses bleibt die langfristige Bedeutung unklar. Tao zeigt sich zwar begeistert von der neuen Perspektive auf große Zahlen, die die KI eröffnet hat, warnt aber: „Die Jury ist sich noch nicht einig, wie bedeutend dieser Fortschritt wirklich ist.“

Die Begeisterung der Experten steht im Kontrast zu früheren, weniger erfolgreichen KI-Durchbrüchen. Im Oktober 2023 behauptete ein Vizepräsident von OpenAI, Kevin Weil, dass ChatGPT ein weiteres Erdős-Problem gelöst habe. Doch schnell stellte sich heraus, dass die KI lediglich eine bereits existierende Lösung reproduziert hatte. Weil löschte seinen Beitrag nach massiver Kritik.

Dieser Vorfall zeigt, wie vorsichtig die Wissenschaft mit KI-gestützten Lösungen umgehen muss. Nicht jede Behauptung hält einer genauen Prüfung stand. Dennoch könnte Price’ Erfolg ein Zeichen dafür sein, dass KI zunehmend in der Lage ist, echte Innovationen in der Mathematik zu ermöglichen – auch wenn der Mensch weiterhin eine entscheidende Rolle spielt.

Quelle: Futurism