Ein ungewöhnlicher Scheidungsfall mit internationaler Dimension

Ein Gericht in Norddakota hat sich geweigert, eine islamische Scheidung anzuerkennen, die ein Mann durch die Aussprache des sogenannten Talaq eingereicht hatte. Der Fall Ali v. Osman, entschieden von Richterin Stephanie Hayden (N.D. Cass County Dist. Ct.), ist derzeit in der Berufung beim North Dakota Supreme Court anhängig.

Die Hintergründe der Ehe und Scheidung

Sara und Mojahid heirateten am 5. Februar 2001 im Sudan. Nach islamischem Recht hat ein Ehemann das Recht, eine Scheidung durch dreimalige Aussprache des Talaq einzuleiten. Entscheidend ist dabei, dass der Ehemann seine Absicht, die Scheidung auszusprechen, dreimal – mündlich oder schriftlich – bekundet. Eine Mitteilung an die Ehefrau oder deren Anwesenheit ist nicht erforderlich. Die Ehefrau hat kein Widerspruchsrecht.

Unbekannt für Sara hatte Mojahid den Talaq bereits vor dem 11. Dezember 2022 dreimal ausgesprochen. An diesem Tag erhielt er in den USA ein Scheidungszertifikat für Sara aus dem Sudan, obwohl beide zu diesem Zeitpunkt nicht in dem Land lebten. Seit 2015 wohnten sie in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Sara war weder anwesend, als Mojahid das Zertifikat erhielt, noch wurde sie darüber informiert. Erst am 19. Dezember 2022 sandte Mojahid ihr das Dokument per E-Mail zu.

Rechtliche Auseinandersetzungen in den VAE und den USA

Bereits 2021 und 2022 hatte Sara mit einem Anwalt in den VAE über eine mögliche Scheidung gesprochen und ein Scheidungsverfahren eingereicht. Mojahid berief sich in diesem Verfahren auf das bereits vollzogene Talaq und das Scheidungszertifikat. Die Parteien einigten sich schließlich darauf, das Verfahren in den VAE fallen zu lassen. Im Februar 2023 zog Sara in die USA, wo Mojahid eine Anstellung an einer Universität angenommen hatte. Im Mai 2023 zogen die beiden erneut zusammen. Am 26. Juli 2024 reichte Sara schließlich die Scheidung in Norddakota ein und behauptete, die Ehe bestehe seit dem 5. Februar 2001 fort.

Mojahid hingegen argumentierte, das Gericht in Norddakota sei für die Scheidung nicht zuständig, da die Ehe bereits durch den Talaq und das Scheidungszertifikat beendet worden sei. Das Gericht musste daher klären, ob es die ausländische Scheidung anerkennen sollte.

Die Entscheidung des Gerichts: Keine automatische Anerkennung

Das Gericht betonte, dass es nicht darüber zu entscheiden habe, ob der Talaq oder das Scheidungszertifikat nach sudanesischem Recht oder islamischen Vorschriften gültig seien. Vielmehr ging es um die Frage, ob das Gericht die ausländische Scheidung als bindend anerkennen sollte. Dies fällt unter das Prinzip der Comitas – der freiwilligen Anerkennung ausländischer Gerichtsentscheidungen.

„Comitas ist weder eine absolute Pflicht noch eine bloße Höflichkeitsgeste, sondern die Anerkennung der legislativen, exekutiven oder judikativen Handlungen eines anderen Staates – unter Berücksichtigung internationaler Pflichten, praktischer Erwägungen sowie der Rechte der eigenen Bürger.“

Das Gericht kam zu dem Schluss, dass die Anerkennung der ausländischen Scheidung nicht automatisch erfolgen sollte. Es verwies darauf, dass Sara in den USA lebte und die Scheidung dort eingereicht hatte. Zudem war sie weder an der Ausstellung des Scheidungszertifikats beteiligt noch hatte sie davon gewusst. Das Gericht sah daher keine ausreichende Grundlage, um die ausländische Scheidung anzuerkennen.

Fragen zur internationalen Anerkennung religiöser Scheidungsverfahren

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen auf: Sollten religiöse Scheidungsverfahren, die in einem Land gültig sind, automatisch in anderen Ländern anerkannt werden? Oder müssen die lokalen Gerichte prüfen, ob die Scheidung den rechtlichen und sozialen Standards des eigenen Landes entspricht? Besonders relevant ist dies in Fällen, in denen eine Partei nicht informiert oder einbezogen wurde – wie im vorliegenden Fall.

Die Entscheidung des Gerichts in Norddakota könnte Signalwirkung für ähnliche Fälle haben, in denen ausländische Scheidungen in den USA angefochten werden. Sie unterstreicht die Bedeutung der individuellen Rechte und der Fairness im Scheidungsverfahren, unabhängig von religiösen oder kulturellen Praktiken.

Quelle: Reason