Ein Designer mit polarisierender Vergangenheit

Peter Arnell, ein renommierter Designer mit über 30 Jahren Erfahrung, wurde kürzlich zum „Chief Brand Architect“ der National Design Studio der US-Regierung ernannt. Diese Position könnte weitreichende Auswirkungen darauf haben, wie sich die amerikanische Regierung nach außen präsentiert. Arnell arbeitete bereits für große Konzerne wie PepsiCo, McDonald’s, Apple, Reebok und Disney. Sein Stil ist geprägt von Einfachheit, Klarheit und mutigen Designentscheidungen.

Neue Rolle unter Joe Gebbia

Arnell wird unter Joe Gebbia arbeiten, dem Mitgründer von Airbnb und designierten „Chief Design Officer“ der National Design Studio. Diese Einrichtung wurde im Januar 2025 ins Leben gerufen, um die „Benutzerfreundlichkeit und Ästhetik“ digitaler Bundesdienste zu verbessern. Bisherige Projekte umfassen die Neugestaltung der offiziellen Website des Weißen Hauses zu einer Art Fan-Portal für den Präsidenten sowie die Überarbeitung der Lebensmittelpyramide mit Fokus auf Proteine.

Arnell soll nun ein „einheitliches Design- und Markensystem für die USA“ entwickeln und sicherstellen, dass jede Interaktion mit der Regierung klar und konsistent ist. Dazu gehören die Reform des Sozialversicherungssystems und des Pass-Erwerbs, wie Gebbia in einem Interview mit Dezeen erklärte.

Ein digitaler Neuanfang mit langer Vorgeschichte

Die Überarbeitung der digitalen Präsenz der US-Regierung ist kein neues Projekt: Bereits die Biden-Administration begann 2024 mit den Planungen, nachdem Daten aus 2023 zeigten, dass 45 % der über 10.000 Bundeswebsites nicht mobilfreundlich waren und 60 % mögliche Barrierefreiheitsprobleme aufwiesen. Experten schätzten damals, dass die Umgestaltung etwa zehn Jahre dauern würde. Heute geht Arnell von rund 27.000 aktiven Bundeswebsites aus – eine enorme Herausforderung für sein neues Amt.

Drei Jahrzehnte Design – mit Höhen und Tiefen

Arnell gründete 1993 sein eigenes Designstudio, das er bis 2011 als „Chief Creative Officer“ leitete. 2012 gründete er die multidisziplinäre Firma Intellectual Capital Investments, wo er bis heute als Designer und CEO tätig ist. Sein Portfolio umfasst Projekte für Home Depot, die Gestaltung der Mug-Root-Bier-Dosen, Ausstellungen für Jeep, Brillen für Disney und Werbekampagnen für Apple.

Ein Zitat aus einem Profil von i-D Magazine aus dem Jahr 2009 beschreibt Arnells Arbeitsweise treffend:

„Er arbeitet über Disziplinen hinweg (Design, Branding, Marketing, Architektur und Fotografie) und verbindet diese zu neuen Formen.“

Kontroverse Projekte und Kritik

Arnell ist jedoch nicht nur für seine kreativen Erfolge bekannt, sondern auch für umstrittene Entscheidungen. Ein besonders bekanntes Beispiel ist die gescheiterte Neugestaltung der Tropicana-Verpackung im Jahr 2009, die zu massiven Kundenprotesten führte und innerhalb weniger Wochen zurückgenommen werden musste. Auch seine Zusammenarbeit mit Mike Tyson für den Super-Bowl-Werbespot 2006 sorgte für Aufsehen.

Trotz seiner polarisierenden Vergangenheit bleibt Arnell eine prägende Figur in der Designbranche. Seine neue Rolle in der US-Regierung könnte seine Arbeit einem noch größeren Publikum zugänglich machen – mit ungewissem Ausgang.