Der größte Strommarkt der USA, PJM Interconnection, hat nach einer mehrjährigen Pause die Genehmigung neuer Kraftwerke wieder aufgenommen. Die Reform des Anschlussverfahrens soll die jahrelangen Verzögerungen beenden und den Ausbau der Energieversorgung beschleunigen.
Über 220 Gigawatt an neuen Projekten eingereicht
PJM hatte 2022 die Bearbeitung neuer Kraftwerksprojekte gestoppt, nachdem sich über 2.600 Projekte mit einer Gesamtleistung von 107 Gigawatt – davon zwei Drittel aus erneuerbaren Energien – in der Warteschlange befanden. Nach vier Jahren Bearbeitung der Rückstände hat PJM nun ein neues, reformiertes Verfahren eingeführt. Bis zum Stichtag dieser Woche wurden 811 Projekte mit einer Gesamtkapazität von 220 Gigawatt eingereicht.
Gas dominiert die neuen Anträge
Während Solar-, Speicher- und Hybridprojekte mit 536 Projekten mehr als die Hälfte der eingereichten Vorhaben ausmachen, entfällt mit 106 Gigawatt fast die Hälfte der Gesamtkapazität auf Gaskraftwerke. Jon Gordon, Senior Director bei Advanced Energy United, betont die Bedeutung der Reform:
"Die vergangenen vier Jahre wurden genutzt, um die Rückstände zu bearbeiten und ein neues Verfahren zu entwickeln. Jetzt geht es darum, Projekte schneller und effizienter zu genehmigen."
Reform soll Verzögerungen von bis zu acht Jahren beenden
Das bisherige "First-Come, First-Served"-Prinzip führte zu extremen Verzögerungen. Einige Projekte warteten bis zu acht Jahre auf eine Genehmigung. Die neue Regelung priorisiert stattdessen "First-Ready, First-Served" – also Projekte, die bereits weiter fortgeschritten sind. PJM verspricht dadurch eine Bearbeitungszeit von maximal zwei Jahren.
Seit 2020 wurden zwar 103 Gigawatt an Anschlussvereinbarungen unterzeichnet, doch nur 23 Gigawatt tatsächlich ans Netz gebracht. Drei Viertel der Projekte zogen sich vor der Fertigstellung zurück. Die Reform soll dies ändern.
Strompreise steigen, Kapazitätslücke droht
Der steigende Strombedarf, insbesondere durch Rechenzentren, und die Verzögerungen im Ausbau haben die Preise in den letzten Jahren stark ansteigen lassen. Seit 2020 stiegen die Strompreise in PJM um fast 50% – von 12,6 auf 18,7 Cent pro Kilowattstunde. Die durchschnittliche Stromrechnung erhöhte sich von etwa 128 auf 161 US-Dollar pro Monat.
PJM warnt vor einer möglichen Kapazitätslücke von 50 bis 60 Gigawatt in den nächsten zehn Jahren. Zum Vergleich: Ein Gigawatt reicht aus, um eine Stadt mit rund 800.000 Haushalten zu versorgen. Die aktuelle Gesamtkapazität von PJM liegt bei etwa 180 Gigawatt.
Zukunft der Energieversorgung: Gas als Brückentechnologie?
Trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien setzt PJM weiterhin stark auf Gaskraftwerke. Kritiker befürchten, dass dies die Energiewende verlangsamen könnte. Befürworter argumentieren jedoch, dass Gas als flexible und schnell verfügbare Lösung die Versorgungssicherheit in der Übergangsphase gewährleisten kann.
Die Reform des Anschlussverfahrens soll nun den Weg für einen schnelleren und effizienteren Ausbau ebnen – sowohl für erneuerbare Energien als auch für konventionelle Kraftwerke.