Europäische Kardiologen und Ernährungsexperten warnen vor den gesundheitlichen Folgen ultra-verarbeiteter Lebensmittel. In einer aktuellen Stellungnahme fordern sie Ärzte auf, ihre Patienten aktiv über die Risiken aufzuklären und gesündere Alternativen zu empfehlen.

Warum ultra-verarbeitete Lebensmittel gefährlich sind

Ultra-verarbeitete Lebensmittel enthalten industrielle Zusatzstoffe wie Zucker, Salz und künstliche Aromen, die in der ursprünglichen Form nicht vorkommen. Sie ersetzen zunehmend traditionelle Ernährungsweisen und sind laut Studien mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Erkrankungen verbunden:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen: 19 % höheres Risiko für koronare Herzkrankheit
  • Diabetes: Erhöhtes Diabetes-Risiko durch verarbeitete Kohlenhydrate
  • Bluthochdruck: Häufige Folge von übermäßigem Salzkonsum
  • Fettstoffwechselstörungen: Erhöhte Cholesterinwerte durch Zusatzstoffe
  • Übergewicht: Kalorienreiche, nährstoffarme Produkte begünstigen Gewichtszunahme

Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt, dass ultra-verarbeitete Lebensmittel jährlich über 120.000 vermeidbare Todesfälle verursachen. Zudem gibt es Hinweise auf negative Auswirkungen auf Muskelgesundheit, Knochendichte, Fruchtbarkeit und kognitive Funktionen.

Forderungen an die Medizin

Die Experten kritisieren, dass aktuelle Ernährungsempfehlungen zu stark auf Nährstoffen statt auf Verarbeitungsgrad fokussieren. Sie fordern:

  • Mehr Aufklärung über Lebensmittelkennzeichnung und Verarbeitungsprozesse
  • Anpassung der Ernährungsrichtlinien an wissenschaftliche Erkenntnisse
  • Regelmäßige Gespräche zwischen Ärzten und Patienten über den Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel
  • Hinweise auf „gesunde“ Marketingstrategien, die oft täuschen

„Ultra-verarbeitete Lebensmittel haben traditionelle Ernährungsweisen weitgehend verdrängt“, erklärt Luigina Guasti, Kardiologin an der Universität Insubria und Mitautorin der Stellungnahme. „Die Forschung belegt eindeutig den Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck. Doch diese Erkenntnisse erreichen die Patienten noch zu selten.“

Praktische Tipps für gesündere Ernährung

Die Wissenschaftler raten zu folgenden Maßnahmen:

  • Frische Lebensmittel bevorzugen: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und ungesüßte Milchprodukte
  • Zutatenliste prüfen: Je kürzer und verständlicher, desto besser
  • Industrielle Zusatzstoffe meiden: Dazu zählen Emulgatoren, Süßstoffe und künstliche Aromen
  • Selber kochen: Fertiggerichte durch selbst zubereitete Mahlzeiten ersetzen
  • Auf „Health Claims“ achten: Oft handelt es sich um Marketing ohne echten Nährwert

Die Stellungnahme wurde am 6. Mai im European Heart Journal veröffentlicht und basiert auf einer umfassenden Auswertung aktueller Studien.

Quelle: Healthline