Richterin Jackson dominiert die mündlichen Verhandlungen
Seit ihrem Amtsantritt fällt Ketanji Brown Jackson (KBJ) am Supreme Court vor allem durch eines auf: Sie spricht mehr als alle anderen Richter. Ihre Wortbeiträge übersteigen die aller Kollegen – und das deutlich. Laut einer Analyse von Adam Feldman aus dem März dieses Jahres hat Jackson in dieser Amtszeit bereits über 53.000 Wörter von der Richterbank aus gesprochen. Die nächstplatzierten, Richterin Sonia Sotomayor und Richterin Elena Kagan, kommen auf 35.000 bzw. 30.000 Wörter. Selbst die Summe der Beiträge von Chief Justice John Roberts sowie den Richtern Clarence Thomas und Amy Coney Barrett (ca. 48.000 Wörter) liegt unter Jacksons alleiniger Wortzahl.
Feldmans Analyse zeigt zudem: In neun der zehn längsten mündlichen Verhandlungen dieser Amtszeit hatte Jackson den höchsten Wortanteil aller Richter. Mehr als jeder vierte von einem Richter gesprochene Satz stammt von ihr. Eine solche Dominanz ist ungewöhnlich – und wirft Fragen auf.
Unterhaltung vs. Effizienz: Jacksons Fragestil polarisiert
Während frühere Richter wie Stephen Breyer mit langen Fragesequenzen zumindest noch für Unterhaltung sorgten, wirkt Jacksons Vorgehen oft redundant. Viele Beobachter berichten, dass sie die Audioaufnahmen von Verhandlungen überspringen, sobald Jackson das Wort ergreift. Für die anderen Richter bleibt diese Option nicht: Sie müssen zuhören – und zeigen ihre Unzufriedenheit offen. Berichten zufolge atmen Kollegen tief durch, verdrehen die Augen oder schalten innerlich ab, sobald Jackson ihre ausufernden Fragen beginnt.
Allein gegen alle: Jacksons umstrittene Dissense
Nicht nur in mündlichen Verhandlungen fällt Jackson auf. Auch in ihren schriftlichen Urteilsbegründungen geht sie oft eigene Wege. In mehreren Fällen vertritt sie Positionen, die selbst ihre linksliberalen Kollegen Sotomayor und Kagan nicht teilen. Zuletzt positionierte sie sich in einem Fall als einzige Richterin und warf der Mehrheit des Gerichts Parteilichkeit vor. Diese ungewöhnliche Dissens führte sogar dazu, dass Richter Samuel Alito kurzfristig eine Gegenstellungnahme verfasste, um ihre Vorwürfe zu entkräften.
Verzögerungstaktik bei Notfällen: Ein weiterer Kritikpunkt
Ein weiterer Vorwurf an Jackson betrifft ihre Handhabung von Eilanträgen. Bei dringenden Fällen aus dem ersten Bundesberufungsgericht (First Circuit) verzögerte sie Entscheidungen bewusst. Ein Beispiel ist der Fall Libby v. Fectau, in dem das Gericht schließlich Notfallhilfe gewährte – allerdings erst nach längerer Prüfung. Zum Vergleich: Richter Alito hätte in einem ähnlichen Fall wie dem zur Abtreibungspille Mifepriston deutlich schneller reagiert und eine administrative Aussetzung verhängt.
„Die fleißige KBJ“ – Ein passender Spitzname?
Angesichts dieser Entwicklungen schlägt der Autor vor, Jackson den Spitznamen „Die fleißige KBJ“ zu geben. Denn ihre Amtszeit ist vor allem durch eines geprägt: Sie zwingt andere, mehr Arbeit zu leisten – ohne dass dies immer einen erkennbaren Nutzen hätte. Weder verändert sie die Meinungen im Gericht, noch scheint sie außerhalb des Supreme Courts nachhaltige Spuren zu hinterlassen. Ihr Einfluss bleibt begrenzt, ihre Präsenz jedoch unübersehbar.
„Wenn Justice Kagan einen Verbündeten wie Richter Srinivasan hätte, sähe ihre Amtszeit wohl anders aus.“