Die Schließung von Hampshire College in Amherst, Massachusetts, markiert einen weiteren Tiefpunkt in der Krise der US-Hochschullandschaft. Die renommierte Privatuniversität, bekannt für ihre liberalen Künste und Absolventen wie den Dokumentarfilmer Ken Burns oder die Schauspielerin Lupita Nyong’o, wird nach dem Herbstsemester 2026 ihre Tore für immer schließen.
Doch Hampshire ist kein Einzelfall. Laut Jon Marcus, Bildungsreporter des Hechinger Reports, haben seit Beginn der Covid-19-Pandemie bereits rund 100 Colleges in den USA ihre Pforten geschlossen. Und die Prognosen sind düster: Viele weitere kleinere, regionale Hochschulen stehen vor dem Aus. Während große staatliche Universitäten und Elitehochschulen wie Harvard oder Yale finanziell stabil bleiben, kämpfen vor allem kleinere Privatcolleges ums Überleben.
Die Gründe für die Schließungen sind vielfältig:
- Rückläufige Studentenzahlen: Viele Colleges verzeichnen seit Jahren sinkende Einschreibungen. Hampshire hatte zuletzt weniger als 800 Studierende – ein Bruchteil der einstigen Größe.
- Hohe Schuldenlast: Colleges haben in den vergangenen Jahren massiv Kredite aufgenommen, um Infrastruktur oder Marketing zu finanzieren. Die Zinslast frisst einen Großteil der ohnehin knappen Budgets auf. Hampshire stand mit 21 Millionen Dollar in der Kreide.
- Gebrochene Geschäftsmodelle: Die meisten Studierenden zahlen längst nicht mehr den vollen Listenpreis. Die durchschnittliche Discount Rate – also der Rabatt auf die Studiengebühren – liegt bei über 50 Prozent. Würde ein Unternehmen 50 Prozent seines Umsatzes zurückgeben, wäre es längst pleite.
- Demografischer Wandel: Weniger junge Erwachsene in den USA bedeuten weniger potenzielle Studierende. Gleichzeitig konkurrieren Colleges mit Online-Angeboten und günstigeren Alternativen.
Was bedeutet das für die Zukunft der Hochschulbildung?
Die Schließungen könnten die Hochschullandschaft nachhaltig verändern. Für Studierende bedeutet das weniger Auswahl und möglicherweise höhere Kosten, wenn die verbleibenden Colleges ihre Gebühren erhöhen müssen, um die Lücken zu füllen. Gleichzeitig könnte der Druck auf die verbleibenden Institutionen steigen, sich stärker zu spezialisieren oder mit anderen Hochschulen zu fusionieren.
Jon Marcus, der die Krise im Podcast Today, Explained analysierte, warnt:
„Colleges, die jahrelang mit fragilen Finanzmodellen operiert haben, stehen nun vor einer existenziellen Bedrohung. Die Pandemie hat nur den finalen Schub gegeben.“
Die Schließungen werfen auch grundsätzliche Fragen auf: Braucht es ein Umdenken in der Hochschulfinanzierung? Sollten staatliche Subventionen stärker auf kleine Colleges fokussiert werden? Oder wird die Hochschullandschaft künftig noch stärker von Eliteuniversitäten dominiert?
Eines ist sicher: Die Krise der US-Colleges ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein strukturelles Problem, das die Bildungslandschaft der USA nachhaltig prägen wird.